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Himmel und Erde
So lange unser Heiland auf Erden gegangen ist, so lange wuchsen die Steine; nun nicht mehr. B.
Bei Kruckow? [Krugau, Kreis Lübben?] ist ein Stein, der sich immer nachts um zwölf Uhr umdreht. B.
Wenn die vier Geister zusammen kommen, dann entsteht das Gewitter (ńeẃedraško); andere sagen es kommt aus dem Meere. (v.) B.
Schwerch heisst eine schwere Gewitterwolke; wenn eine grosse Wolke gegen Abend aufgeht: Dauschwerg [Thauschwerg, -schwerk]. Man sagt: »Das Gewitter blüht1) schon lange am Himmel, das Gewitter baut schon am Himmel wieder2) I. 304.
»Wenn es blitzt, thut sich der Himmel ganz auseinander, dann wird er frei.« G.-S.
Błysk Blitz, grimańe Donner, ńewedro Gewitter, tuca Regenbogen. S.
Den Blitz kann man nicht löschen, nur mit Milch (Burg. Schleife). Bei einem Gewitter sah ein Mann in Cottbus am Hause etwas Rauch, und goss einen Eimer Wasser darauf, da stand das ganze Haus in Flammen B.
Wenn Wolken vor der Sonne stehen, (und Schattenstreifen zur Erde gehen), dann sagt man: »Słóńcko wódu pijo, witŕe budźo dejšć, die Sonne trinkt Wasser, morgen wird es regnen«. Ebenso, wenn früh morgens über der Spree oder Neisse solche Sonnenstrahlen stehen, sagt man: »Heute giebt's schon Regen, dźěnsa b'źo dejšć.« S.
Wenn es donnert: »Dźěńs ńej' Petrus doma, te gólcy kulaje kegle, heut' ist Petrus nicht zu Hause, seine Jungen schieben Kegel.«
Wenn es schneit: »Petrusowe gólcy su to łožyšćo rozternuli, Petrus seine Jungen haben das Bett zerrissen und haben die Federn ausgeschüttet. Petrus dichtich chyta (schüttet tüchtig), Pětrowe gólcy jara chytaju« S.
Wenn es regnet oder schneit: »Petrus hat ein Loch aufgemacht und kann es nicht wieder zustopfen.« S.
»Petrus karrt Steine« [vom Donner]. Die Wolken ziehen Wasser an. G.-S.
»Mrokawy se tormuju, tormy gótuju, die Wolken thürmen sich, – machen Thürme.« – Kokoca heisst eine Wolke, wie sie beim Blühen des Gewitters3) vorkommen, kokoca se gótuju.« Wenn um Michaeli herum so glänzende kobele [jana kobela; take kobele se gótugo] am Himmel vorkommen, so sagt man: »Ten sněg kwišo, der Schnee blüht.4)« Das heisst: Es wird viel Schnee kommen, wie er blüht, so wird auch genug sein. B.
Wenn im Herbste, im September, sich gewisse gekrönte Spitzen an den Wolken zeigen, so sagten die Alten: »Es blüht der Schnee, wie im Winter und deuteten das auf vielen Schnee.«– »Die Wolken sehen manchmal aus wie Berge.« B.
Die Alten hatten früher den Glauben: die Wolken schöpfen das Wasser aus den Teichen. Sie erzählen: einst ist eine Wolke in den grossen Teich niedergekommen und hat da viel Wasser geschöpft. Dann ist die Wolke weiter gezogen hinter Muskau. Da ist sie sehr schwer gewesen und hat sich müssen auseinanderziehen wie eine płachta (Grastuch) oder wie ein Netz, dass die Löcher grösser geworden sind, da ist das Wasser als Regen5) gefallen. S.
Auch ist hier mal eine Wolke gerissen und Stücke sind heruntergefallen, das hat ausgesehen wie Galert. Neben diesem Klumpen sind etliche Hechte gefunden worden. Die sind aus der Wolke, die zerrissen war, herabgefallen. Das ist aber wahr. S.
Gaž słyńco swěśi a dejšć jo, ga cynje te chodoty butru, wenn die Sonne scheint und Regen ist, dann machen die Hexen Butter. B.
Von den Wolken6): »Glědaj raz, tam su take tormy, b' źo přiś drugi cas, sieh' mal, da sind solche Thürme, 's wird andere Zeit [Wetter] kommen.« B.
Wenn die Wolken sich auseinanderziehen: »šapaŕ rozeganja (treibt auseinander), wenn sie zusammenstehen: »šapaŕ góni« der Schäfer7) treibt.
Wenn man die Windstrasse8) sieht [langgezogene Wolkenstreifen und Fäden], dann giebt es (? Wind), – (? in 8 Tagen Regen). Wenn der Himmel so schuppig ist [d.h. kleine gleichmässig zertheilte Wolkenstückchen über den Himmel gehen]: »Der Schäfer ist am Himmel, es wird »gut Wetter.« Heiligensee (bei Tegel).
Verwünschungen. »Wy ẁedrowe gólcy, Ihr Dunderwetterbengels« sagt man, wenn z.B. jemand ungezogen ist. »Ty dunder-krodawa9); -goc-dunder – weter, dunder- wecstein«. Gablenz.
»Koc-dunder-zatan, dunderweter.« Jämlitz.
Dunderwetter, Dunderwetzstein, Dundersatan. Schulzendorf. Heiligensee.
Verwünschung im Aerger: »Ty pomoŕske ńeẃedro, Du pommersches Unwetter!« Wenn bei der Arbeit etwas nicht gelingt: »To pomoŕske, das pommersch! Gelinde ist: Ty ńeẃetki! [sehr allgemein, milde Verwünschung statt des sündhaften ńewedro]. Ty ńeẃetko pomoŕski! B.
Přut, gwězka z přutom, der Komet, bedeutet10) Krieg. – Jana gwězka spunutřa [ein ausgespuckter Stern] eine Sternschnuppe. – Wenn die Milchstrasse, taškowa dróga von Mitternacht nach Mittag geht, bedeutet sie gutes Wetter. S.
Die Milchstrasse ist die Wildbahn, muss doch wohl die Bahn der wilden Jagd sein. G.-S.
Der forman, Fuhrmann hat vier Räder und drei Pferde und nahe beim mittelsten Pferde ist der Kutscher. Und wenn der Kutscher mal auf das jüngste Pferd springen wird, dann »wird« der jüngste Tag (sudny dźěń) [kommen]. Mal ist der Kutscher gefahren und fuhr mit dem hinteren rechten Rade [von der Seite des Kutschers aus] an die Hölle an und darum steht das Rad noch (6 Zoll) seitwärts gerückt. Denn die Axe ist krumm gefahren. S.
Wenn abends der erste Stern zu sehen ist, muss der Gänsehirte seine Gänse nach Hause treiben; wenn der zweite, der Schweinehirte seine Schweine; wenn der dritte, der Schäfer seine Schafe. Und wenn der vierte Stern zu sehen ist, muss der Viehhüter sein Rindvieh nach Hause treiben. S.
An welcher Seite vom Monde der Stern steht, da kommt das Feuer aus. B. I. 273.
Der Hof um den Mond: murja; forman: Siebengestirn, der Jakobsstab u.s.w. Brahmo.
Auf Sonne, Mond und Sterne11) soll man nicht mit dem Finger zeigen, sonst sticht man dem lieben Gott die Augen aus. B.
Wenn Sonne und Mond zusammenstossen, giebt es ein grosses Gewitter, so heisst es von Alters12) her. B. I. 273.
Wenn der Mond recht hoch mit den »Ecken« (Hörnern, rógi) nach oben steht, giebt es Kälte. B.
Wenn Sonnen- und Mondfinsterniss in demselben Monate kommen giebt es nasse Witterung (v). S.
Die Alten haben gesagt, dass drei weisse Tauben oben über dem Feuer fliegen. – Vorher, ehe Feuer ist, sieht mancher Feuerschwalben fliegen. S. I. 273.
In Graustein haben sie mal einen Brunnen so tief gegraben, dass sie einen Hahn, honak, in der Erde haben schreien hören. – Wenn sie tief gegraben, haben sie Gänse schreien hören. S.
Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 164-168.
Eine hübsche blanke Kanne und Wein darein,
Das soll den jungen Burschen ihr Feierabend sein!
Was gehört den alten Weibern zum Feierabend?
Ein alter Pelz mit Läusen darein,
Das soll den alten Weibern ihr Feierabend sein!
Was gehört den alten Jungfern zum Feierabend?
Ein alter Flederwisch wackelt nicht,
Und eine alte Jungfer, die zappelt nicht.
In weiteren Reimen wurde der jungen Männer, Frauen und Töchter gedacht. Weihnachtsmann: heele Christ« Lehnin und Umgegend nach Herrn Kantor Kritzinger: »in den Zwölften (W. – H. 3. K.) wurde nur 1 Stück Garn gesponnen und später um den Garten gezogen, gegen Hasen, Sperlinge, allen Schaden. Der h. Christ bringt auf seinem Schimmel den Kindern Sachen. In Korn und Schoten die Kornmuhme. Im Wasser: der Pumpernickel (»glotzte mich als Kind ein grosser Frosch mit seinen g. Augen an, glaubte ich, es wäre der P. und lief eiligst davon«). Frau Holle: nicht bekannt, s.S. 148. Frau mit einer weissen Hucke u.s.w. Gebäck: Hundeforte [Pfeffernuss] und Drömel.«
