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Das Lied vom Tanhauser
Uhland Volkslieder Nr. 297. S. 762 ff.
Wir haben alte Lieder von dem edlen Tannhäuser, dass er sei in Frau Venus Berg gezogen, das grosse Wunder zu schauen, und darinnen geblieben, wie solches auch nachfolgendes Lied erzählt.
Nun will ich aber heben an
von dem Danhauser singen
und was er wunders hat getan
mit Venus, der edlen Minne.
Danhauser was ain ritter guot
wann er wolt wunder schawen,
er wolt in fraw Venus berg
zu andren schönen frawen.
„Herr Danhauser, ir seind mir lieb,
daran sölt ir gedenken !
ir habt mir ainen aid geschworn :
ir wölt von mir nit wenken. „
„Fraw Venus! das enhab ich nit,
ich will das widersprechen,
und redt das iemants mer dann ir
gott helf mirs an im rechen !“
„Herr Danhauser, wie redt ir nun ss
ir sölt bei mir beleiben ;
ich will euch mein gespilen geben
zu ainem ftäten weibe.“
„Und näm ich nun ain ander weib
ich hab in meinen sinnen:
so muest ich in der helle gluot
auch ewiklich verprinnen.“
„Ir sagt vil von der helle gluot,
habt es doch nie empfunden,
gedenkt an meinen roten mund !
der lacht zu allen stunden.“
„Was hilft mich euer roter mund?
er ist mir gar unmäre;
nun gebt mir urlob, frewlin zart,
durch aller frawen ere!„
„Danhauser! wölt ir urlob han
ich will euch kainen geben;
nun pleibt hie, edler Danhauser,
und fristen euer leben!“
„Mein leben das ist worden krant,
ich mag nit lenger pleiben;
nun gebt mir urlob, frewlin zart,
von eurem stolzen leibe!„
„Danhauser, nit reden also!
ir tuond euch nit wol besinnen;
so gen wir in ain kemerlein
und spilen der edlen minne!“
„Eur minne ist mir worden laid,
ich hab in meinem sinne:
fraw Venus, edle fraw so zart!
ir seind ain teufelinne.“
„Herr Danhauser, was redt ir nun
und dass ir mich tuond schelten?
und söllt ir lenger hier innen sein
ir muestens ser entgelten.„
„Fraw Venus! das enwill ich nit,
ich mag nit lenger pleiben.
Maria muoter, raine maid,
nun hilf mir von den weiben.“
„Danhauser, ir sölt urlob han,
mein lob das sölt ihr preisen,
und wa ir in dem land umb fart
nemt urlob von dem greisen !“
Do schied er widrumb aus dem berg
in jamer und in rewen:
„ich will gen Rom wol in die statt
auf aines bapstes trewen.
Nun far ich frölich auf die ban,
gott will mein immer walten!
zu ainem bapst der haist Urban
ob er mich möcht behalten.
Ach bapst, lieber herre mein !
ich klag euch hie mein sünde
die ich mein tag begangen hab
als ich euch will verkünden.
Ich bin gewesen auch ain jar
bei Venus ainer frawen,
nun wolt ich beicht und buoss empfahn
ob ich möcht gott anschawen.“
Der bapft hat ain steblin in seiner hand
und das was also durre:
„als wenig das steblin gronen mag
kumstu zu gottes hulde.“
„Und sölt ich leben nun ain jar,
ain jar auf diser erden,
so wölt ich beicht und buoss empfahn
und gottes trost erwerben. „
Da zog er widrumb auss der statt,
in jamer und in laide.
„Maria muoter, raine maid !
ich muoss mich von dir schaiden.“
Er zog nun widrumb in den berg
und ewiklich on ende:
„ich will zu meiner frawen zart,
wa mich gott will hin senden.“
„ Seind gottwillkomen, Danhauser !
ich hab eur lang emboren;
seind willkom, mein lieber herr,
zu ainem buolen ausserkoren!“
Es stond biss an den dritten tag,
der stab fing an zu gronen,
der bapst schickt auss in alle land:
wa Danhauser hin wär komen?
Do was er widrumb in den berg
und het sein lieb erkoren,
des muoss der vierde bapst Urban
auch ewig sein verloren.
Quellen:
- Dr. August Witzschel: Sagen aus Thüringen. Meersburg und Leipzig 1930
