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Hessische Sagen - Anmerkungen

Anmerkungen

1.-6.

Diese Sagen sowie mehre folgende gehören sämmtlich zu jenen, in denen entrückte Götter und Helden die Hauptpersonen sind. No. 4, die mir schriftlich mitgetheilt wurde, rechne ich gleichfalls dazu; sie ist nämlich sehr unvollständig, ein letzter Rest eines größern Ganzen, dessen Umrisse sich jedoch noch deutlich erkennen lassen. Der steinerne Tisch ist derjenige, an welchem im Unterberg, Kyffhäuser und anderswo Friedrich Barbarossa, Karl der Große und a. m. sitzen, ihre Person ist verwischt, von der ganzen Figur nur noch der Handschuh übrig. Die Schlange ist Ueberrest einer andern Gestalt, der mit dem Kaiser in den Berg verwünschten Jungfrau, die der eifrige Sammler der Harzsagen, Heinrich Pröhle, neulich auch bei dem Rothbart im Burgbrunnen auf der Harzburg fand.1) (S. Deutsche Reichßeitung No. 209.2) In No. 6 (die auch anderswo vielfachvorkommt) ist zwar von jenen Göttern oder Helden nicht die Rede, doch geht es aus ihrem Zusammenhang mit andern verwandten Sagen (Kuhn und Schwarz p. 220, Mytholog. 905) hervor. In den andern wechselt die Zahl der Männer in dem Berge zwischen drei, sieben und zwölf; nur in der Sage vom Kreuzberg scheint es einer gewesen zu sein. Jene Mehrzahl war bisher noch weniger bekannt, sie kam seltner vor und es wäre von Belang, ihr nachzuspüren, ob sie sich nicht öfter findet, besonders die Zwölfzahl, denn die sieben scheinen nicht in das höhere Alterthum hinaufzureichen und ziemlich jungen Datums. Sie finden sich u. a. in dem Felsen bei der Burg Gottschee wieder (Deutsche S. I, 219) und auch da sind es Greise mit kahlen Häuptern. Meist erscheinen nur Jungfrauen in dieser Zahl (z. B. Baader bad. Sagen p. 70). Interessant ist, daß die Zwölf in No. 5 vor einem Tisch mit Schreibzeug sitzen. So haben die drei Männer im Zobtenberg ein Buch vor sich, der König im Lauenburger Berg hält einen Brief in seiner Hand, vor den drei Männern im Keller bei Salurn hegt eine mit Kreide beschriebene Tafel. ( D. S. I, 214. 380, 21.) Was heißt das? Es fehlt uns noch eine Sage, die den Schlüssel dazu gibt, wenigstens kenne ich keine, welche den Zug erklärte.

In No. 1 mangelt die Erzählung der Art und Weise, wie der Mann zuerst in das Gewölbe kam, denn die bloße Kunst alle Thüren ohne Schlüssel zu öffnen, reicht dazu nicht aus. Ich denke, er hatte die Schlüsselblume gefunden und als er das Gewölbe zuletzt besuchte, wurde ihm dieselbe entrissen von den Zwölfen. Zu No. 2 stellt sich nebst vielen andern ähnlichen die Sage vom Löbauer Berg in Büschings wöchentl. Nachr. III, 337. Sie hat den eigenthümlichen aber jedenfalls echten Zug, daß das Kind, nachdem die Mutter es übers Jahr aus dem Berge holt, in ihren Armen erbleicht, sobald es von der Sonne beschienen wird. Ein Handwerksbursch erzählte mir eine verwandte Sage vom Ochsenkopf. Eine Wittwe mit einem dreijährigen Kinde ging zu einer Quelle, die an dessen Fuß entspringt, da sah sie neben derselben eine Thür und auf dem Rand der Quelle den Schlüssel dazu. Sie schließt auf und sieht eine schöne Kirche mit Altären und Heiligenbildern und Gold und Silber überall. Sie setzt ihr Kind auf den Altar, füllt die Schürze und eilt heraus, ohne es mitzunehmen, worauf die Thür sich sofort schließt. Nach einem Jahr am selben Tag findet sie erst den Schlüssel wieder und ihr Kind dick und fett auf dem Altar. Es ruft ihr zu: „Mutter, du bist aber lang geblieben!“

Die Art der Beschwörung in No. 3, besonders das Laufen ist neu. Wie Struwel rückwärts laufend die Geister zurück bringt, so werden sie in dem Zauberlehrling Göthes verwandten Sagen durch rückwärts Lesen der Beschwörung weggebracht. Der Stein in No. 4 mit dem eingedrückten Hufeisen ist nicht mehr vorhanden; mein nun verstorbener Gewährsmann hatte ihn noch gesehn. Wie war aber das Hufeisen hinein gekommen? Das wußte er nicht mehr; durch des Corporals Pferd schwerlich.

7. Der Herrgottsberg bei Darmstadt

Der Eingang enthält eine willkommene Version der bekannten Sagen vom verlegten Kirchenplatz (vgl. No. 273 dieser Sammlung). Nach andern sollte des Teufels Haus wie in Aachen ein Wirthshaus sein. Die am Schluß mitgetheilte Version hat modernern Anstrich. Ueber den Eingang vgl. meine Beiträge zur deutschen Mythologie. Göttingen 1851. p. 30 flg. Bedeutsam für den Ort ist, daß einer der dahin führenden Wege der Viereicher Weg heißt. Viereeken ist ein in Flandern sehr häufiger Flurname.

8. Der Müncheberg bei Leusel

Aus mündlicher Ueberlieferung mitgetheilt von Professor Dr. Phil. Dieffenbach in Friedberg. Es soll ein Kloster da gestanden haben; so heißt es oft von solchen Bergen, doch trifft es nicht immer zu. Die Zwerge und andere Geister werden nämlich oft Mönche genannt, ihrer Kappen wegen, die mit der Kapuze der Kutte viel Aehnlichkeit haben. So sind denn auch diese Mönche wahrscheinlich Zwerge, die bei einer verwünschten Heldengestalt im Berge hausen. So kauft ein Mönch Rosse für das unter der Haide von Alderley Edge schlafende Heer, so heißen die Zwerge selbst Bergmönche. Vgl. Kuhn und Schwarz Norddeutsche Sagen, Gebräuche und Aberglauben p. 205. 206. 496. 194. Grimm D. S. I p. 3-6. Harrys Niedersächsische Sagen II. p. 4.

9. Vom Schnellerts

3)

Von Phil. Dieffenbach. Die Sage von der Verehrung einer Gottheit auf diesem Berge hat das Fest, den Markt und Tanz für sich. Hoin wird wohl Hain sein, wie das anderwärts, z. B. an der Bergstraße vorkommende Hahn und Hähnlein. Die Ableitung der Namen Hoinkopp von einem Gott Hoija, Issel von dessen Gemalin Isola zeigt, wie Dieffenbach mit Recht bemerkt, wie gelehrte Leute hineingepfuscht und das Alte zu erklären gesucht haben. (Urgesch. der Wetterau, p. 279.)

Das Opfer schwarzer Hühner ist unverdächtig und nur zu bedauern, daß keine Nachrichten über die Kapelle und deren Patron übrig sind, aus denen sich sichere Schlüsse ziehen ließen, wer die Gottheit war, die dort verehrt wurde. Der Gickel findet durch die vorige Anmerkung und Panzers Werk seine Begründung.

10. Der Hausberg

Von Phil. Dieffenbach. Die Sage von der Verehrung einer Gottheit auf diesem Berge hat das Fest, den Markt und Tanz für sich. Hoin wird wohl Hain sein, wie das anderwärts, z. B. an der Bergstraße vorkommende Hahn und Hähnlein. Die Ableitung der Namen Hoinkopp von einem Gott Hoija, Issel von dessen Gemalin Isola zeigt, wie Dieffenbach mit Recht bemerkt, wie gelehrte Leute hineingepfuscht und das Alte zu erklären gesucht haben. (Urgesch. der Wetterau, p. 279.) Das Opfer schwarzer Hühner ist unverdächtig und nur zu bedauern, daß keine Nachrichten über die Kapelle und deren Patron übrig sind, aus denen sich sichere Schlüsse ziehen ließen, wer die Gottheit war, die dort verehrt wurde. Der Gickel findet durch die vorige Anmerkung und Panzers Werk seine Begründung

12. Der Frauen - Holl - Stein

Schwarz Buchenblätter II. p. 91. Damit wäre ja die Identität der Holda mit Freyja, unserer Frouwa, vollständig dargethan (Mythol. p. 276. Wolf Beiträge p. 179 folg., wo des Mythus von der weinenden Frouwa ausführlicher gedacht ist) und insofern zählt diese Sage zu dem Kostbarsten, was in der letzten Zeit zu Tage kam.

Eine andere Sage, die Schwarz I p. 117 aufnahm, meldet, ein Mädchen habe einem Jüngling ihre Hand nicht geben wollen, bevor er den Stein aus dem Wald vor ihre Hütte geschafft habe. Der Jüngling versuchte es, aber er schaffte sich daran zu Tode. In dieser Variante heißt er vom Rollen Frauenrollstein. Sie ist in sofern interessant, als sie gleichfalls eine unglückliche Liebe zum Gegenstand hat und die erste Sage gleichsam umkehrt, doch verdient diese bei weitem den Vorzug, da sie die eigenthümliche Form des Steins erklärt, ein Zeugniß zugleich für ihre Echtheit, die sich bei der andern nicht so leicht nachweisen läßt.

13. Der Goldstein bei Rimbach

Von Phil. Dieffenbach. Der Goldkopf ist schon durch den Ringwall bedeutsam, aber woher der Name? Manches Gute über die Ringwälle hatt Knapp geliefert (Archiv für hess. Gesch. und Landeskunde II, 262) doch kam er so wenig zu festen Resultaten, wie der Holländer Westendorp bei seinen Forschungen über die Hünengräber, und zwar rein und allein darum, weil er wie dieser den Sagen keine Aufmerksamkeit widmete, sich an solche Stellen knüpfen.

14. Die Zauberpfeife

Ich habe diese merkwürdige Sage bereits früher in dem von J. von Hefner und mir herausgegebenen Buch über die Ausgrabungen der Burg Tannenberg mitgetheilt und in den Beiträgen zur d. Myth. p. 171 flg. besprochen und theile sie noch einmal mit, um in größern Kreisen auf sie aufmerksam zu machen, ob sich vielleicht irgendwo noch Varianten von ihr finden. An Ort und Stelle weiß man nichts mehr von ihr, so wie sie vorliegt, ist sie Auflösung einer schlechten Reimerei aus dem Anfang dieses Jahrhunderts, die mir während der Tannenberger Arbeiten im Msc. zugeschickt wurde und damals in einer Zeitschrift erschienen sein soll.

15. Die Linde bei Nierstein

Ueber die Linde als Bauma der Holda vgl. m. Beiträge I, 168-170. Weitere Ausführungen über sie wird der II. Band bringen. Die in vorliegender Sage erwähnte wird auch die heilige Linde, der heilige Baum genannt.

16. Brünnchen versiegt

Schwarz Buchenblätter II. p. 164. Auf diese Art wird meistens der Segen der wunderbaren Geisterwelt verscherzt. Der erste Theil der Sage erläutert die vorige, so wie die folgende und zeigt, wie es mit dem Kinderbrunnen eigentlich gemeint ist.

17. Kinderbrunnen

Vgl. No. 211. Es ist von Belang, diesen Sagen weiter nachzugehn und sie bis in ihre feinere Züge zu verfolgen, vorzüglich auch auf ihre Namen zu achten, wie Meier in seinen deutschen Sagen, Sitten und Gebräuchen aus Schwaben I p. 263 eben gethan hat. Ausführlicher habe ich diese Brunnen besprochen in den Beitr. I, 162 folg.

18. Der Reiter auf dem Schnellerts

Wir haben bisher die Götter und Göttinnen in ihren heiligen Bergen gesehn, die jetzt folgenden Sagen zeigen sie aus denselben hervorgehend, um ihre feierlichen Umzüge zu heiligen Zeiten zu halten. Ich beginne mit dem Schnellertsgeist und dem Rodensteiner, in denen ich die beiden Hauptgottheiten unseres Alterthums, Wuotan und Donar, nachwies. (Beitr. 28. 58. 64. 71.4) Der erste der beiden Geister ist als Wuotan auch der wilde Jäger, dem in No. 21 (von Prof. Weigand mitgetheilt) die Leuchte ausgehängt wird. Der umgehende Förster ist nichts anderes, die Sage sucht nur das Umreiten zu motiviren und dieß geschieht auf eine so schauerliche als echt dramatische Weise.

21. Der wilde Jäger

Prof. Weigand im Friedberger Intelligenzblatt. 1847. 14., 1840. 33.

Das Umwandern des wilden Jägers an der Streitheck erinnert an den nächtlichen Kampf in No. 25.

23. Der Mann auf dem Dreimärker

Die Grenze ist heilig, also auch die Grenzsteine, deren Verrückung so oft, ja in allen Gegenden Deutschlands durch das Umwandeln als Feuermann gestraft wird. Doppelt heilig ist aber der Punkt, wo drei Marken zusammenstoßen, denn die Dreizahl weiht und ist im Alterthum die heiligste aller Zahlen, was sie dem Christenthum in noch höherm Grad durch das Geheimniß der allerheiligsten Dreifaltigkeit wurde. Darum ist denn auch der Dreimärker eine Art von heiligem Stein und erscheint als solcher besonders in der hessischen Provinz Starkenburg in vielen Sagen. Die Jahre unter sieben sind die unbefangener Unschuld, mit dem siebenten naht mehr die Erkenntniß des Guten und Bösen. Auch das Noth- oder Sieghemd muß von einem solchen Kind gesponnen werden. Neu aber muß Hacke und Grabscheit sein, weil sie zur Erlösung dienen sollen, also zu einem heiligen Geschäft, wie denn auch das Opfervieh oder das Gespann am Wagen der Götter nicht vorher in menschlichem Dienst gewesen sein durfte, auch gleichsam neu sein mußte. Zwar war der Erzähler dieser Sage sehr ausführlich, doch ist sie nicht recht durchsichtig klar und es haben sich offenbar Elemente eingemischt, welche ihr ursprünglich fremd sind. Ich möchte den Versuch wagen, sie heraußulösen. Der Bauer sieht wohl drei Herren, doch zwei nur davon sind edeln, königlichen Geschlechts und das sind dieselben zwei, welche in No. 28 in dem Wagen erscheinen, der Rodensteiner und der Schnellertsgeist. Der Jäger ist untergeordnetern Ranges und ich glaube nicht irre zu gehen, wenn ich in ihm den „vil getriuwen“ Eckard sehe, der warnend vor Frau Venus Berg sitzt, aber auch vor dem wüthenden Heer warnt, (M. 887.) wenigstens erscheint er hier auch warnend, freundlich, schützend und ebenfalls bei dem Außug der wilden Jagd. Sind uns so diese drei Personen gesichert, dann gibt sich das Uebrige schon leichter. Mahl und Kampf (der Handstreich) folgen sich wie in Valhöll; statt des Kampfes aber tritt die Jagd ein und auf ihr wird ein Mönch getödtet. Wer die Mönche in der Sage meistens sind, hat uns die Anmerkung zu No. 8 gesagt, der hier vorkommende wird der wilden Männer einer von dem, dem Rodenstein benachbarten Wildeweibchenstein sein, (No. 87.) denn diesen Wesen stellt der wilde Jäger gern nach. (Deutsche Sagen No. 48.) Hier ist meiner Ansicht nach die schadhafte Stelle. Es kommt anderwärts vor, daß ein Jäger ewig jagen muß, weil er einen Einsiedel ermordete und diese Sage hat sich hier eingedrängt, sie soll offenbar auch hier erklären, warum die Geister jagen müssen und die ganze Mordscene spielt sich vor den Augen des Bauern ab, wie anderwärts der Mord zweier Brüder, ein Kampf oder anderes, was ähnlichem Umwandern zu Grunde liegt, sich allnächtlich wiederholt. Eher sollen, so meint diese Sage, die Geister nicht Ruhe finden, bis der ermordete Mönch begraben ist; der, welcher dieß Geschäft vollbringt, empfängt reichen Lohn an den vergrabenen Schätzen der Burg. Zwischen diesen Zügen und der Göttersage vom Heerzug und der tosenden Jagd aber einen Zusammenhang zu finden, scheint mir unmöglich und dadurch wenigstens vor der Hand meine Annahme, daß hier dem Ganzen einst fremde Elemente vorliegen, gerechtfertigt. Dieß ist mir um so wahrscheinlicher, da die Sage die Erlösung der Geister zu verhindern weiß. Die Umzüge der alten Götter können nicht von einem Umstand, wie der vorliegende abhängen, sie finden statt bis zur Götterdämmerung, unbeirrt durch das, was der Mensch auf Erden treibt. Das fühlte die Sage selbst in ihrer Umbildung nach, darum fallen Wuotans Hunde5) den Bauern an, sie verführen ihn, das unwiderruflich heilige Schweigen zu brechen und alles ist umsonst, die Jagd saust fort nach wie vor. Ich komme in der Anm. zu 62 auf die Sage zurück.

24. Das wilde Heer in der Küche

Nach mündlicher Mittheilung von Herrn Revierförster Hoffmann in Roßdorf.

In der vorhergehenden Sage fanden wir die Geister beim Mahl der Valhöll. Die vorliegende enthält eine andere Erinnerung an dasselbe, nur findet es hier nicht in der Burg statt, d. h. wie ich anderswo nachweisen werde, im Berge, sondern nach der Weise der Zwerge, die unter Donar stehen, bereiten die Geister es in der Küche. Im Jahr 1804 am selben Abend zur selben Stunde, wo die Geister das Mahl in der Küche bereiteten, kam der Schulprovisor Würthele zu Fränkisch - Crumbach athemlos in die Amtskellerei gelaufen und machte die Anzeige, daß so eben die Schnellertsgeister durch die Kirche gezogen (die Rodensteiner liegen da begraben) und alle Kirchenthüren mit dem größten Geprassel aufgeflogen seien. Bei angestellter Untersuchung fand man die Kirchenthüren fest geschlossen. Zehfuß die Herren von Rodenstein p. 71.

25. Die Todtenhöhe

Mitgetheilt von Landau in der Zeitschrift des churhessischen historischen Vereins I p. 354.

Sobald der Kampf der Helden in Valhöll zu Ende ist, erheben sich die Gefallenen wieder zu neuem Leben. So geht nach der Snorraedda und Saxo grammaticus Hildr jede Nacht auf den Walplatz, wo Hiadningawig geschlagen worden und weckt durch Zauberkünste die Todten, die Tags zuvor gefallen und sie stehen auf zu neuem Kampf, den sie allnächtlich fortkämpfen bis zur Götterdämmerung. Was da jede Nacht und zwar jeden Tag sich wiederholt, das wiederholt sich unserer Sage zufolge nur einmal im Jahr auf der Todtenhöhe, am Jahrestag der Schlacht, die einst da geschlagen worden, eine modernere Fassung der alten Sage.

26. Der Schnellertsgeist

Es ist selten, jedoch ganz erklärlich, daß der Geist des Schnellerts in einem Wagen erscheint, oder sich hören läßt.

27. Das Eichbrünnchen

Brunnen am Fuße von Bäumen entspringend, galten unserm Alterthum stets für heilig. Die Taufe der Kinder in dem Brünnchen ist nur sagenhaft, denn das Taufwasser muß geweihtes Wasser sein und zwar am Charsamstag geweihtes, doch weist der Zug auf die uralte Heiligkeit des Brunnens hin. Ich denke, die Rodensteiner haben die Kinder nicht sowohl in demselben taufen lassen, sondern geholt, es wird ein Kinderbrunnen sein.

28. Der Geisterwagen

Gleich No. 20 aus dem Munde eines in Oberkainsbach wohnenden Bauern von H. Zehfuß mitgetheilt in seinem Schriftchen: Die Herren von Rodenstein nebst der Sage von den Wandergeistern auf Schnellerts und Rodenstein. Darmstadt 1825. p. 67.

29. Sonntagskind 30. Die Scheune in Oberkainsbach

Letzteres erzählte mir im Herbst dieses Jahres der Bürgermeister des bei Oberkainsbach liegenden Fleckens Reichelsheim. So sagte auch schon der verstorbene Besitzer des Hofes zu Zehfuß er glaube, daß sein jetziges Haus dem Geist im Wege stehen müsse, es habe einmal mit solcher Gewalt am Fundament des Hauses vor seinen Fenstern hin und her getobet, daß Thüre und Fenster gezittert und die Bücher vom Schrank herunter gefallen seien; sein Nachbar sei jedoch nichts davon gewahr geworden. Wie diese Scheune mit dem Rodensteiner zusammenhängt, habe ich in meinem Schriftchen über die Sagen von den beiden Burgen (Anm. zu No. 9.) nachgewiesen.

31. Der Kornweg

Vgl. Beiträge z. d. Myth. p. 71. Die heidnisch Römelnden suchen den Kornweg durch eine alte Römerstraße zu erklären. Wie Beides zusammenhängen soll, will mir nicht in den Kopf.

32. Des Rodensteiners letzter Auszug

Einer der merkwürdigsten Vorfälle der Art hat sich im November 1820 zu Fränkisch-Crumbach ereignet. In diesem Monat hörte man eines Abends um 9 Uhr ganz in der Nähe des Ortes ein starkes Trommeln und Läuten; dieß dauerte bis 11 Uhr in der Nacht und war gleichsam überall und nirgends. In dem eine Stunde entfernten Hofe am Rodenstein wurde es in derselben Stärke vernommen. Die Bewohner liefen auf die sog. Rodensteiner Höhe, um zu sehen, ob es vielleicht in Fränkisch - Crumbach brenne. Derselbe Lärm wurde auch in der entgegengesetzten Richtung bis Reinheim hin, also in einer Entfernung von 3 bis 4 gleich stark gehört. Auch von da her erkundigten sich am andern Tage Leute, ob es wohl in der Gegend von Fränkisch - Crumbach gebrannt hätte, da man am vorigen Abend von daher so stark stürmen gehört. Zehfuß p. 62.

33. Der Reiffenberger

(Steiffenberger ist Druckfehler.) Schwarz Buchenblätter p. 6. Der Name des Petersbergs ist mythologisch derselbe wie Rodenstein; (Beiträge p. 81.) zudem fahren beide Geister. Der Probst soll ein Herr von Reiffenberg gewesen sein.

34. Die silberne Kutsche in Grünberg bei Echzell

Von Phil. Dieffenbach, dem Herr Pfarrer Eich zu Echzell die Sage erzählte. Hier gewinnt der Wagen schon ein mehr göttermäßiges Ansehen, nur wird er schwerlich von Silber, sondern von Gold sein. Die weißen Pferde sind ächt und uralt.

35. Weißes Frauchen am Borstein

Die goldne Haube ist sehr alt. Bei den Geistern hat die Zeit einen raschern Flug, als bei uns und Menschen sind oft Jahre lang bei ihnen, während sie meinen nur Stunden da zugebracht zu haben. Wir werden dabei an das Wort des Psalmisten erinnert, der sagt:, Tausend Jahre sind vor dem Herrn, wie ein Tag.

38. Der Schönberg bei Gelnhaar

Von Phil. Dieffenbach. Aehnliches wird auch von dem Platz im Wald zwischen Auerbach und Bensheim berichtet, wo ehemals die Nothgotteskapelle stand. Einem andern Mann soll sie als Kröte erschienen sein, er habe ihr auch den erlösenden Kuß geben wollen, doch als sie so an ihm heraufgekrabbelt sei, habe ihn plötzliches Entsetzen erfaßt, so daß er sie von sich warf.

39. Der Altenburgskeller bei Nidda

Vgl. die Sage vom Tannenberg No. 80, gleichfalls Grimm deutsche Sagen No. 15, der Weinkeller bei Salurn

40. Die Jungfrau auf dem Weidelberg

Landau hessische Ritterburgen I, 349. Die weiße Blume ist noch neu, gewöhnlich ist dieselbe blau oder gelb. Auch daß sie dem Schäfer die Blume nur zeigt und dieser selbst sie brechen muß, ist seltner.

41. Die Blume auf der Altenburg

In Dieffenbachs Urgeschichte der Wetterau Sage 12. Sehr bezeichnend ist, daß die Blume sich am Hut des Schäfers in einen Schlüssel verwandelt. Die Jungfrau scheint unsichtbar gegenwärtig. Im vollen Widerspruch zu der vorigen Sage ist, daß dem Bauern das Gold bleibt, trotzdem daß er das, Beste “ nicht mitnahm

42. Schlange auf dem Rodenstein

Indem der Knabe mit seinem Mund die Schlüssel aus der Schlange Mund nimmt, gibt er ihr gleichsam den erlösenden Kuß. Gewöhnlich und gewiß auch richtiger ist das verhängnißvolle Bäumchen zu einer Wiege bestimmt. (Vgl. No. 44. 49. Deutsche S. No. 107.) Der Sarg scheint mit No. 62 zusammenzuhängen und ich werde ihn dort besprechen.

43. Das Raubschloß bei Grünberg

Durch Phil. Dieffenbach von Herrn Rektor Glaser in Grünberg.

44. Das Edelfräulein von Rodenstein

Die am Schluß der Anm. zu 27 aufgestellte Vermuthung über das Eichbrünnchen wird durch die Erscheinung der Jungfrau noch wahrscheinlicher, denn dieß Edelfräulein ist nichts anders, als die alte Holda. So wohnt auch die weiße Jungfrau auf der Harzburg im Burgbrunnen. H. Pröhle in der d. Reichßeit. 1852 No. 209. Der Erzähler kehrte, wie es scheint, die Ordnung der drei Gestalten um: gewöhnlich sind dieß drei Thiergestalten (Myth. 921 Schlange, Drache, Kröte, Frosch) und erst, wenn diesen die Küsse gegeben sind, fällt die Hülle, die Erlösung ist vollbracht und die Jungfrau steht in voller Schönheit da, was freilich noch nicht geschehen, immer nur vorhergesagt ist, denn keiner hat den Muth, bis zum dritten Kuß außuhalten

45. Die Fai

Landau in der Zeitschrift des churhessischen historischen Vereins I, 352.

47. Die Jungfrau mit den Schlüsseln

Die Bedeutsamkeit des Traums mahnt an jene andere weit verbreitete Sage vom Traum vom Schatz auf der Brücke, deutsche Sagen No. 211

48. Weiße Frau in Westhofen

Nur der Unschuld und Einfalt gelingt die Erlösung, darum sollen die Kinder dem Hund die Schlüssel nehmen, in No. 42 soll der Knabe die Schlange küssen und wo ein Jüngling vorkommt, da muß er rein sein; mehre Sagen melden, wie Jünglinge, nachdem sie die Keuschheit verloren, nicht mehr die Jungfrauen sahen. Das ist ein so wesentlicher Zug, daß wo er sich nicht findet, die Sage Schaden gelitten hat. Vgl. Myth. 914. 915. 916

52. Drei Aepfel gekocht

Eine ganz eigenthümliche Sage, zu der ich kein Gegenstück kenne. Durch die Aepfel, welche als Opfer erscheinen, da sie in einem neuen Geschirr gekocht werden müssen, und dem Männchen, einer Art von Wichtel gegeben werden, scheint die Erlösung vollbracht zu werden, als deren Lohn die Frau den Schatz empfängt.

53. Frau Susanna

Durch Phil. Dieffenbach von Herrn Pfr. Oeser in Lindheim. Zur Pflege der Dürftigen, das heißt wohl, die gütig mit den Menschen verkehrt und ihnen in ihren Nöthen helfend beispringt, auch gute Menschen oft mit Glücksgütern lohnt. Die Sage ist zu lückenhaft, so wie die folgende.

54. Frau Else

Von Phil. Dieffenbach. Von diesem Wesen gab es wohl früher ausführlichere Sagen. Im Namen erinnert sie an die Harzjungfrau Ilse, Deutsche S. No. 316, Pröhle, aus dem Harz p. 90. Kuhn und Schwarz p. 176. Die Gestalt der alten Frau ist wohl nur eine Verhüllung der eigentlichen Else, wie die Feien auch oft als alte Weiber und an Krücken erscheinen. Das angenommen wäre die Entführung des Ritters durch die Liebe der Frau zu ihm zu erklären, die, eine Art von Frau Venus, ihn mit sich in den Venusberg risse. Der tscherkessischen Sage zufolge springen gerade so die Peris den Männern, welche sie lieben, hinten auf das Pferd oder auf den Rücken und sprechen ihnen von ihrer Liebe.

55. Vetter Metz

Prof. Weigand im Friedberger Intelligenzblatt 1847, 88. Dieß Vetter ist jedenfalls verdorben, dem Metz weiß ich auch keinen Sinn abzugewinnen. Aehnliches wird von Berg- und Erdmännchen vielfach berichtet. Baader bad. Sagen pp. 224. 240. Grimm deutsche Sagen I p. 387. Herrlein Spessartsagen p. 34. Myth. 425. 452. Müllenhoff 382, 389, 405, 406. Kuhn und Schwarz p. 164. 166. vgl. p. 489 u. s. w. Bemerkenswerth ist, daß das Mädchen nur ledigen Burschen erscheint.

56. Vom Kloster Steinbach

Nicht Auch hier hält die weiße Frau auf Reinheit. immer erlaubt sie jedoch, daß ein Zeuge mitgebracht werde. Die weiße Jungfrau auf der Harzburg wollte einen Burschen mit nach dem Schöppenstädtergrund haben und er war deß zufrieden, stellte aber die Bedingung, seinen Bruder Valentin mitbringen zu dürfen. Da seufzte sie und verschwand. Pröhle in der d. Reichßeitg. 1852. 209.

57. Die Bleicherin

Aehnlich wie hier von der Wäsche wird von den wilden Frauen am Staufen und bei Berchtesgaden, ebenso von andern 191 ähnlichen Wesen auf der Erenbirg und dem Veitsberg berichtet. Panzer Beitrag No. 9, 14, 157, 205.

58. Die Silberwäscherin zu Unterschlitz

Steiner Archiv für hessische Geschichte und Alterthumskunde II. p. 17. Auch Schwarz kennt die Sage; ich erhielt sie mündlich von einem Soldaten.

59. Weiße Jungfrauen bei Hungen

Durch Phil. Dieffenbach von Pfr. Möbius zu Trais - Horloff. Auch hier, wie in No. 41 ist Blume und Schlüssel gleichbedeutend , also wohl die Schlüsselblume gemeint. Das Waschen erinnert an No. 57; gleiches wird vielfach von den Zwergen erzählt, besonders in Belgien von den Kaboutermannekens. dem 917.

60. Der Horst

Von Phil. Dieffenbach. Das Waschen haben sie wieder mit Edelfräulein von Rodenstein gemein. Vgl. Mythol. 915

62. Todte Frau auf Rodenstein

Im Ganzen dieselbe Sage wie No. 23. Statt der zwei Prinzen haben wir hier zwei Frauen, der bestimmte Ort, wohin der Bauer kommen soll, wird der Dreimärker sein, der Sack, den er mitbringen soll, ist derselbe, nur ist die Leiche, welche er hineinstecken muß, die einer Frau, nicht eines Mönches. Gewiß ist nun diese todte Frau niemand anders, als die in No. 244 erscheinende ermordete Gattin des Rodensteiners, so daß über die Ursache des Umfahrens des Geistes zwei Sagen vorliegen, deren jene frühere es von dem Mord (und wahrscheinlichen Fluch) des Mönches, diese es von dem Mord und Fluch der Frau ableitet. Meine Annahme in der Anmerkung zu 23 gewinnt dadurch neue Stärke die der No. 244 verwandte Sage von dem Mord des Mönches hat sich in 23 an dem Punkt eingedrängt, wo von der Jagd auf die wilden Waldleute die Rede war, die ihr einen Anhaltspunkt darbot, und sie verdrängte dadurch die Züge, den Theil der alten Sage, welcher von der Theilnahme des Bauern an der Jagd sprach. Daß nämlich Menschen auch zu der wilden Jagd zugelassen werden, zeigt No. 516 meiner niederländischen Sagen, in welcher ein Holzhacker mit zieht und so viel Wild getödtet wird, daß er zierzehn Tage lang einsalzen muß, es ist lauter Eberfleisch. Auch da kommt zuerst das Mahl, dann die Jagd. Der Dreimärker ist in dieser Sage eine alte Eiche, unter die der Holzhacker sich unwillig setzt und aus der ein altes Männchen, der Jäger der No. 23, hervortitt. Grabscheit, Hacke und Sack fallen demzufolge in 23 auch weg, als ursprünglich der Sage fremd; sie gehören wesentlich zum Begräbniß der Leiche des Mönches, wie hier zu dem der Frau.

63. Die Schlange mit den Schlüsseln

Eine ziemlich neue Erscheinung. Der Erzähler war ein durchaus zuverlässiger Mann; ohne das würde ich Bedenken getragen haben, die Sage aufzunehmen. Uebrigens spricht die folgende Sage auch schon für die Aechtheit.

64. Geister auf Ulrichstein 65. Der weiße Mann in Herbstein

Von Phil. Dieffenbach. Baader bad. Sagen p. 80, 95, 139 und Stöber elsässische Sagen 27 kennen auch solche weißen Männer.

66. Der Haak bei Melbach

Von Prof. Weigand. Vgl. Phil. Dieffenbachs Urgeschichte der Wetterau S. 83 f. Die Riesen und Riesinnen dachte man sich wohl, gleich den Zwergen in alter Tracht und so wurde die Riesin zur Nonne. So gilt eine auf ihrem Grabstein in der Tracht des XV Jahrh. abgebildete Frau in den Ruinen der Kirche auf dem mir benachbarten Heiligenberg beim Volk allgemein als Nonne.

67. Das Felsenmeer

Von Herrn Candidat Kaiser in Beedenkirchen, der außer dem Riesenaltar (No. 68) noch einige 80 Blöcke auf dem Felsberg fand, welche Spuren römischer Bearbeitung tragen. Vgl. Deutsche Sagen No. 197. Ueber den Riesenaltar vgl. Winckelmann Beschreibung von Hessen um Hersfeld.

69. Der Riesenstein

Von Phil. Dieffenbach

70. Die Milseburg

Schwarz Buchenblätter p. 64.

71. Hünfeld

Schwarz Buchenblätter p. 62

72. Hohenstein und Borstein

Das Kegeln findet sich häufig als Beschäftigung der Riesen und Geister. Vgl. Kuhn und Schwarz norddeutsche Sagen; No. 59 kegeln die Hünen und der Teufel. No. 247, 3 wird im Kyffhäuser mit Kegeln geworfen, was auch E. Sommer in den Sagen, Märchen und Gebräuchen aus Sachsen und Thüringen S. 4. berichtet. Wenn es donnert, sagt man in Köln, droben werde gekegelt, anderswo St. Petrus oder die Engel schieben Kegel. Mehr darüber an anderm Ort.

73. Die Riesenstange und das Riesenhaus in Worms

J. J. Winckelmann Beschreibung von Hessen und Hersfeld p. 32

74. Die Altenburg bei Dauernheim

Durch Prof. Phil. Dieffenbach. Die Zwerge werden offenbar mit den wilden Waldleuten verwechselt, mit denen sie zwar verwandt, aber nicht identisch sind.

75. Heinzelmännchen

So ist auch der Geist Hinzelmann auf Hudemühlen eifersüchtig auf die beiden Fräulein und will nicht, daß sie heirathen. Deutsche Sagen I, 117.

78. Der Schlurcher

Der Schlurcher scheint dieselbe Person zu sein mit dem Mann mit dem Schlackhut, der die Frau auf dem Freyenstein besuchte. Deutsche Sagen I, 360.

79. Des Albs Gestank

Aus Erasmi Alberi novum dictionarii genus mitgetheilt von Prof. Weigand.

81. Die Hollen

Von Phil. Dieffenbach. Auf dem, oude wal“ in Westflandern hört man, wie drunten in der Erde Teigmulden ausgekratzt werden und es riecht nach gebackenen Eierkuchen. Ein Bauer, der an der Stelle steht, wünscht laut einen solchen Kuchen und sofort liegt einer vor ihm, aber als er hineinbeißt, verschwindet er, d. h. er verfällt den Geistern, deren Speise er genossen, wie Persephone der Unterwelt verfiel dadurch, daß sie sechs Kerne von einem Granatapfel dort verzehrte. Niederländ. Sagen p. 285. Anderswo heißt es, wenn Nebel um die Berge hängen, die Geister der Berge kochten ihren Kaffee.

83. Der wilden Frau Gestühl auf dem hohen Berg

Prof. Weigand im Friedberger Intelligenzblatt 1847. No. 12. vgl. Phil. Dieffenbachs Wetterau S. 282 No. 11. Der Ort scheint eine alte Opfer- und Gerichtsstätte zu sein.

84. Die wilde Frau bei Fulda

Daß die wilden Frauen auch den Tod verkünden, ist ein neuer Zug, bei andern elbischen Wesen kommt er öfterer vor.

86. Der wilden Frau Gestühl

Von Prof. Phil. Dieffenbach. Auch der Gesang, der sonst echt elbisch ist, kommt bei wilden Frauen seltener vor. Die drei Frauen zeigen schon die Berührung mit den weißen Frauen, denn die wilden Weibchen leben gewöhnlich mit Mann und Kind zusammen, so in No. 82, 83, 87.

87. Der Wildeweibchenstein

Das eingehauene Kreuz erinnert an die Bitte des Moosweibchens der Bauer möge doch beim Umfällen des Baums drei Kreuze in den Stamm hauen, damit es vor dem wilden Jäger sicher sei. Diese Moosleute sind identisch mit unsern wilden Leuten und hier ist der wilde Jäger auch nahe. (D. S. No. 47.) Die Erzählung von dem Jäger zeigt, wie die Märchen und Sagen oft in einander übergehen, sie findet sich nämlich, besonders die Worte, Kind hebe deinem Vater sein Bein auf, „ wörtlich im Märchen wieder. Vgl. auch D. S. No. 50. In dem Erscheinen auf der Hochzeit und der damit verbundenen Begabung berühren sich die wilden Weibchen mit den Zwergen.

88. Die zwei Herren von der Glauburg

Ein solcher Wassermann tanzte auch auf dem Markt zu Laibach mit unter der Linde am Brunnen ( D. S. 51.) und schleppte ein schönes aber leichtfertiges Mädchen mit sich fort. So kamen zwei schöne Jungfrauen aus dem Döngessee (Chur-Hessen) bei der Kirmes nach Dönges, um zu tanzen. Ein Bursch hielt der einen die Handschuhe zurück, über dem Suchen verspätete sie sich, so daß es zwölf Uhr schlug, und am andern Tage war der See blutroth, ist dieß auch seitdem jedes Jahr an diesem Tag. Deutsche Sagen I, 72.

89. Fuchs und Hund

Sonst erscheint der Nix gern in Gestalt eines Pferdes, in den Niederlanden nur liebt er auch andere Thiergestalten.

93. Die Kornähre

Es ist ein Gesetz der Teufel und der Geister Wo sie herein, da müssen sie hinaus, sagt Mephistopheles im Faust und selber vermögen sie die verstopften Löcher nicht zu öffnen, wäre auch das Hinderniß noch so unbedeutend.

94. Alb im Betttuch

Landau in der Zeitschrift des churhessischen historischen Vereins. I, 354. vgl. 92. Als Vogel entfliegt die Seele gern. Mythol. 788.

95. Das weiße Mäuschen

Aus einer schlafenden Magd geht die Seele als rothes Mäuslein ( D. S. I, 335), aus einer andern als schwarzer Rauch (das. 336), beide drücken einen Knecht; als man sie rüttelt und schüttelt, sind sie todt. Aus einer dritten geht sie als Katze, wie in No. 97.

96. Der Alb aus der Fremde

Die in der Muschel über den Bach setzende Frau, welche die Pferde ritt und drückte, ist dreihundert Stunden weit hergekommen. Sagen p. 614 vgl. p. 654. Dieß Ganze zeigt unverkennbar den echt elbischen Charakter der Mahr, es ist die werthvollste Sage, welche über sie bisher vorliegt.

98. Weißes Wiesel

König Guntrams von Franken Seele ging in eines Schläng leins Gestalt aus seinem Körper, überschlich auf einem Schwert einen Bach und schloff in einen Berg. Zurückgekehrt in den König, erwachte dieser und erzählte, ihn habe von einem Fluß geträumt, den er auf einer Brücke von Eisen überschritten und darauf sei er in einen Berg voll großer Schätze gekommen. Nachgrabend fand man diese letztern. D. S. No. 428 nach Paulus Diaconus III, 34. Aimoin. III, 3. Auch No. 404 gehört hierhin, wo der Geist als Fliege ausgeht.

102. Das eingehackte Beil

Drei Eggen, denn das Ackergeräth, mit dem die heilige Erde bearbeitet wird, scheint dem Alterthum eine gewisse Weihe zu haben. Die Befreiung von dem Uebel erfolgt erst nach Jahresfrist , wie auch Perahta dem Mädchen, dem sie durch Blasen die Augen blendete, erst nach dieser Frist auf ihrem Umzug das Gesicht wiedergab. (Mythol. 254.) Das Beil ist merkwürdig, auch die weißen Frauen in den Niederlanden führen dasselbe und werfen damit nach dem, der ihrer spottet. Wolf deutsche Märchen und Sagen p. 326.

103. Fahrt durch die Luft

Vgl. 264 Ritt nach Heidelberg. Ein ähnlicher Wagen mit zwei Herren fand sich auch beim Rodenstein. vgl. No. 28. Daß es ein Götterwagen ist, sagt schon die Schnelligkeit mit der er fährt.

104. Die Tanzwiese bei der Milseburg

Schwarz Buchenblätter S. 83. Die Bearbeitung nennt die Tanzenden, Elfen, was ich nicht beibehalten zu dürfen glaubte, denn keinesfalls sind sie Schwarz als solche bezeichnet worden. Ich setzte darum Hexen an ihre Stelle und glaube diese Veränderung vor den Eingeweihtern verantworten zu können.

105. Die Hexe auf dem Mist

Der Mist paßt vollkommen zu dem schmuzigen Hexentreiben, er ist gewiß jüngern Datums. Die beiden Verse kommen auch anderswo vor

107. Hexe als Schwein

Diese Thiergestalt ist sonst seltener bei Hexen aber sehr bedeutsam. Meint die Sage, daß die Hexe auch in dieser Gestalt durch die Luft fuhr, dann ist dieß wohl durch das Reiten auf einem Schwein zu deuten und dabei an die auf dem Eber reitende Frouwa zu denken? Meier schwäb. Sagen No. 197. 205 kennt auch eine Hexe als Sau und sagt p. 176, sie könnten sich am leichtesten in Schweine verwandeln

108. Eifersüchtige Katze

Jeder Stahl, der über die in Thiergestalt Umwandernden geworfen wird, hebt die Verzauberung auf vgl. u. a. Meier schwäb. Sagen p. 177.

110. Zwölf Katzen

Eine der weitest verbreiteten Sagen, die mir noch in zahlreichen Varianten vorliegt; die Zwölfzahl kommt in allen jedoch nur einmal vor. Das in dieser und den folgenden Sagen 111 - 114 vorkommende Zeichnen der Hexen wird fast überall auf ähnliche Weise erzählt. Ich hätte die Sagen dieser Art noch sehr vermehren können, aber es genüge an diesen Beispielen.

115. Der blaue Gickel bringts Essen

Merkwürdig ist die Vergleichung mit dem Wiesbaum, die wörtlich so in ganz Deutschland vorkommt. So erscheint z. B. die in eine Schlange verwandelte elsässische Jungfrau, groß wie ein Wieschbaum (D. S. I p. 305.) so der Drache in dem norddeutschen Malchin, so groß wie ein Wêsbaum (Kuhn und Schwarz No. 4.) u.s.w. Dieser blaue Gickel oder feurige Drache begegnete schon in No. 101 p. 66. vgl. Müllenhoff p. 206. 280. Mit dem blauen Gickel verwandt ist das Kalb im Kasten (Deutsche Sagen I, 140) dem Milch gegeben werden. Als die Magd ihm unvorsichtiger Weise dieselbe siedend in den offenen Rachen gießt, flieht es und steckt das Haus in Brand.

118. Beim Brauchen berufen

Die Jesu abschwörende Hexe tritt auf den Heerd, hier erschallt das Gelächter der Hexe hinter dem Backofen her, also auch von einer Feuerstelle. Sonst wohnen da nur die Hausgeister.

119. Das Hexenbuch in Reichelsheim

Aehnliches erzählt Dieffenbach (Urgeschichte der Wetterau p. 276) aus Friedberg.

120. Die Knodener Kunst

Die letztere Geschichte ist sehr verbreitet, sowohl in Deutschland, als in den Niederlanden, sie liegt auch in Göthes Zauberlehrling vor. Ueber die zauberischen Bücher Mosis weiß man ebenfalls allerwärts zu erzählen, vgl. Meier schwäb. Sagen p. 196. Kuhn und Schwarz No. 66. 100. Gewöhnlich heißt es, daß diese Bücher da oder dort an Ketten angeschlossen liegen.

123. Der Wildfrevler

Vgl. Müllenhoff Märchen, Sagen, Lieder aus Schleswig etc. No. 82 wo erzählt wird, wie Herzog Hans Adolf sich und seine Leute, als er verfolgt wurde, in Bäume verwandelte.

124. Drei Schüsse

Aus Kleinheubacher Hexenakten des Gräflich Erbachischen Archivs in Michelstadt. Die deutschen Sagen der beiden Grimm bringen I, 344 flg. mehre Sagen von solchen Freischützen. Wozu diente aber die Wurzel? War es eine Mandragora? vgl. 126 Doktor Aphrasterus.

126. Doktor Aphrasterus

Das ist wohl Theophrastus Paracelsus? Ich habe die Sage von einem Veteranen, der sie in der Nähe von Worms hörte. Der Eingang der Sage findet sich in ganz Europa und selbst im Orient wieder. Wie der Kerl in den Baum gebannt ist, so wird die Pest oft in ein Loch gebannt und eingemauert. In dem Folgenden findet sich Nachklang der Sage. In den Tischreden sagt Luther einmal zum Doktor Jonas: „Herr Doktor, wisset ihr nicht, was Assche von Cram, der Ritter, zu mir zu Wittenberg sagte, daß einer einmal zu ihm gesprochen hatte: Lieber, wollt ihr reich, gewaltig und groß werden, so müsset ihr ein Loch in einen Baum bohren, die Seel drein setzen und ein Pflock dafür schlagen, daß sie drinnen bleibe. Wenn ihr nun reich worden seit, alsdann gehet hin und nehmet eure Seel wiederum heraus.“ Da sagte Doktor Jonas drauf: „Wie wenn einer mittlerweile käme und nähme das Seelchen aus dem Baum weg?“ Da sprach Doktor Luther: „Trauwen, da laß ich ihn für sorgen, ich wagte es nicht drauf.“ „Als ich im vorigen Herbst wieder den Odenwald durchforschte, rühmte sich ein Bauer in Hilpertsklingen seiner Beschwörungsbücher gegen mich. Ich fragte ihn, wie er dazu gekommen sei und er erzählte: ,Mein Vater war ein Hauptkünstler durch diese Bücher; er verstand das Bannen und Lösen, das Besprechen u.s.w. Als er auf dem Todesbette lag, da rief er mir und sprach: „Geh an den Schrank dort und hol das Kästchen heraus.“ Ich brachte es und da nahm er aus dem Kästchen die Bücher, band sie zusammen, gab sie mir und sprach „Trage sie draußen auf den Heerd und zünde Feuer dabei an, daß sie verbrennen.“ Ich nahm das Päckchen, schürte ein groß Feuer und steckte die Bücher in meinen Hosensack; dann ging ich zu meinem Vater und sagte: „Eben brennen sie.“ Er horchte eine Weile auf und sprach alsdann: „Es ist nicht wahr, sie brennen nicht, du lügst und hast sie ver steckt.“ Ich ging mit dem Vorsatz hinaus, sie jetzt ins Feuer zu werfen, aber es that mir doch leid, um all die Wissenschaft zu kommen und ich steckte sie wieder in den Sack, kam zu dem Alten und sagte: „Jetzt liegen sie aber gewiß im Feuer.“ Er horchte abermals eine Weile, dann rief er heftig: „Du lügst abermals, wenn sie brennten, dann würde ein Knall geschehen, als ob das Haus zusammenstürze.“ Jetzt hätte ich es um keinen Preis gethan, ich lief aus dem Haus und als ich nach einer Weile zurück kam, war der Alte todt, ich aber hatte die Bücher.' Ein schauriges Bild eines Sterbebettes in dieser ganz heruntergekommenen Gegend, aber ganz dieselbe Scene, die wir auch am Ende unserer Sage finden.

127. Zwetschenheinrich

Zwar sah der Erzähler den Teufel in diesem Wesen, doch ist es offenbar nur ein Zwerg oder Kobold, der sich bekanntlich gern in Mühlen zu schaffen macht. vgl. Niederl. Sagen No. 209. Der Name rührt in seiner ersten Hälfte wohl von dem gleich einer überreifen Zwetsche verschrunzten Gesicht des Kobolds her, Heinrich heißt er in nachklingender Erinnerung an Heinchen. (Myth. 415.)

130. Wie einmal der Teufel von einem Hessen geprellt wurde

Ein Sprichwort sagt: Wer den Teufel fordert, muß ihm auch Werk schaffen. ( Deutsche Sagen I, p. 277.) Als eben so rüstiger Arbeiter erscheint der Teufel in dem irischen Märchen von Peter Finigan und seinem Naglergesellen (Erin von K. v. K. I, 224). Genau unserer Sage verwandt ist aber die andere irische von Michael Scott und seinen Teufelsgesellen, denen er nie genug Arbeit geben konnte, bis er ihnen endlich befahl: Geht und windet mir Seile, welche mich auf den Mond bringen und macht sie aus Mühlenschlamm und Meersand. Brüder Grimm irische Elfenmärchen p. XXXV. Ich habe die Sage von dem Veteranen Gans in Jugenheim.

131. Die Teufelskanzel im Hangelstein bei Gießen

Von Prof. Weigand. Wie sind die zahlreichen Kanzeln dieser Art zu erklären? Waren sie etwa Sitze weiser Frauen? Vgl. u. a. G. Schwab Wanderungen durch Schwaben, D. S. No. 190 und gegenwärtige Sammlung No. 68.

132. Der weiße Teufel im Dom zu Fulda

Schwarz Buchenblätter II, 4. So werden andere Bilder vor Kummer über die Bosheit der Menschen schwarz, was die Muselmänner ja auch von der Kaaba erzählen.

133. Stimme aus dem feuerspeien den Berg

Fast allgemein galten im Mittelalter die Vulkane als Eingänge zur Hölle. Eine ähnliche Sage vom Hekla steht deutsche Märchen und Sagen No. 380, eine andere vom Vesuv kommt schon im zwölften Jahrhundert vor.

136. Heim leuchten

Auch der dem Ritter lange Jahre treu dienende Kobold nimmt Lohn und zwar fünf Schillinge, wofür ein Glöckchen in einer armen Kirche angeschafft wird. Caesar. heisterbac. dial. miraculor. in Bibl. patrum cisterc. II. p. 149.

137. Das jammernde Irrlicht

Aus Kunt's Sagen und Sitten aus Hessen. Leider hatte der Verfasser die Manie, schön erzählen zu wollen und dadurch sind die Sagen kaum mehr erkenntlich, gedehnt ausgesponnen, polirt und lackirt zum Erbarmen. Und dazu versichert er in der Vorrede, sie seien in einfachem anspruchlosem Gewande wiedergegeben.

138. Irrwische

Der Schluß aus der Wetterau ist von Prof. Weigand mitgetheilt. Auch in diesen und der folgenden Sage erscheinen die Irrwische echt koboldisch, geneckt bösartig, sonst aber gütig und hülfreich.

140. Der letzte Kapuziner

Schwarz Buchenblätter S. 18. Der Schluß ist wohl ein übrigens echt sagenhaft gehaltener Zusatz des Bearbeiters, Herrn Schwarz.

141. Die zwei Tauben

Die Seele zeigt sich gern in Vogelgestalt und die Farbe deutet auf ihren Zustand. Darum entflieht sie auf altdeutschen Bildern aus dem Mund des reuigen Schächers als weißer, aus dem des verstockten als schwarzer Vogel, als Rabe. Vgl. die Albsagen.

145. Erlöste Seele

Die Seele erscheint oft als Licht, (vgl. Pröhle aus dem Harz p. 102), ebenso oft als kleines Kind. Beides wird vermischt in dem merkwürdigen Zuge, daß das Mädchen erst spät erkennt, daß das Lichtchen ein weißes Frauchen ist. Das Vorangehen des Geistes ist in solchen Fällen Hauptsache, sonst würde er dem, den er geleitet, wohl auf den Nacken springen, oder sonst Uebles zufügen. vgl. Niederl. Sagen p. 520.

147. Der Sterbenden Fluch

Schwarz Buchenblätter II, 116. In der Todesstunde ist die Seele Gott wieder anheimgefallen, bald soll sie vor Seinem Angesicht stehen und das gießt eine hohe Weihe über sie aus, die bei dem raschen Reifen und Steigen der geistigen Kraft in diesem Augenblick, einen hellern Blick, als sonst über ihr Leben sowohl daher die Bekehrungen als auch in die Zukunft gewinnt. Dem Verurtheilten wird kein Wunsch versagt, der letzte Wille des Sterbenden ist heilig.

148. Die Nonne von Lich

kehrt jede Nacht wieder, weil das Kind nicht begraben ist, nicht in geweihter Erde ruht. Vgl. 146

150. Hühnchen auf dem Grabe

Von Prof. Weigand in Gießen. Das Hühnchen scheint ursprünglich die in Vogelgestalt erscheinende Seele der Frau zu sein, weßhalb es auch Frau Mai angeredet wird.

151. Der Scharfenstein

Landau in der Zeitschrift des churhessischen histor. Vereins I, 354.

153. Todte Mutter

Die Sage ist in Deutschland, dem Norden und den Niederlanden verbreitet.

154. Der Geist mit den Kegeln

Dem Licht begegneten wir bereits in No. 145. Frauengeister erscheinen oft als Ziegen; so z. B. der der Frau von Logne als goldne Ziege. Niederl. Sag. p. 329. Damit verwandt ist die Erscheinung der Jungfrauen mit Geiß füßen Mones Anzeiger 1838, 476, 5. Das Spielen mit Kegeln fanden wir auch schon bei den Riesen.

155. Der eingemauerte Geist

Schwarz Buchenblätter I, 15. Verwandt mit No. 126. So wird auch die Pest in Frankfurt und an der Stadtkirche Erbach eingemauert.

156. Geist auf der Mühle

Aus eigner Macht kann der Geist nicht in die Mühle zurückkehren , denn eigentlich rückt er nur alle sieben Jahre dem Hause einen Fußbreit, oder einen Hahnentritt näher, oder wie sonst das allmählige Herannahen ausgedrückt wird. Darum die Verwandlung, in Folge deren ihn die Bewohner des Hauses freiwillig und selbst wieder heimbringen. Der Geist erscheint hier wie sonst als echter Kobold oder Heinzelmann.

157. Das schwere Laub

Das Lachen kündigt sofort den Kobold an. Ganz ähnliche Streiche erzählt man sich in Antwerpen besonders von dem dort so berühmten einst so gefürchteten Stadtgeist dem“ langen Wapper , der als Strohbündel, als Windel u. a. m. auf der Straße aufgehoben, immer schwerer wird, bis man ihn fallen lassen muß, und dann hohnlachend verschwindet.

158. Geister fortgetragen

Abermals die Seele in Vogelgestalt und zwar als Huhn, was meine in der Anm. zu 150 ausgesprochene Vermuthung stärkt. Die Wälder, in welche Geister gebannt werden, sind jedenfalls nicht ohne Bedeutung, dieser gewinnt schon dadurch Interesse, daß er bei dem durch Riesen und Geistererscheinungen bekannten Borstein liegt.

159. Der umwandernde Bär

Schwarz Buchenblätter II, 22. Der Zug des Bären durch die Luft hat etwas, was an das wilde Heer erinnert. In No. 46 verhindert ein geisterhafter Bär die Erlösung

160. Koberstadt

Von Prof. Dieffenbach. Die Sage ist sehr trümmerhaft und darum dunkel, bedeutsam aber in jedem Wort. Der vom rechten Weg abführende Hirsch kommt in den Märchen oft vor und zwar führt er einen König fern von seinem Schloß in einen Zauberwald, wo er verzaubert wird und sein Bruder ihn erlöst. Hirsch und König sind wohl zu trennen und dann ist die untergegangene Stadt wichtig, die an den Abgrund mahnt, in welchen der Hirsch den Jäger führt. Vgl. Beiträge I, 105 Simrock Bertha die Spinnerin 81.

161. Der Batschhund zu Gedern

Von Prof. Dieffenbach, ebenso auch die folgende Sage.

163. Das Grille

Medizinalrath Dr. J. Schneider in Fulda in der vereinten deutschen Zeitschr. für die Staatsarzneikunde. 1851. 1 Heft p. 163. Es ist eine Art von Kornmuhme Myth. 445

164. Geist beraubt

In andern Sagen kommt die frevelhaft Kühne besser davon, sie muß am folgenden Abend zur selben Stunde dem Geist die Kappe wieder aufsetzen, oder den ihm entrissenen Mantel wieder umhängen.

166. Der Höhmann

Vgl. Schöppner bairisches Sagenbuch I, 430 II, 211. Deutsche Märchen und Sagen 233. Das Springen auf den Rücken begegnet uns auch in 1001 Nacht. Der Knodener Kopf, in dessen unmittelbarer Nähe die Finsterhölle liegt, ist wohl der höchste Punkt des Odenwaldes und scheint von mythologischer Bedeutung zu sein. Das Dorf Knoden lernten wir in 120 als ein Dorf voll Zauberer kennen.

167. Vom Reichelsheimer Schlößchen

Es liegt auf dem Reichenberg und ist ziemlich verwahrlost, die alte, schöne Kapelle wie gesagt ein Stall. Die Alten haben eben überall mehr gebaut, als wir armen Epigonen nur zu erhalten vermögen. Die drei Männer in Rüstungen erinnern an die drei Ritter vom Auerbacher Schloß No 3.

168. Die Rathhaustreppe in Fulda

Schwarz Buchenblätter 1, p. 14. Ein Volksscherz echt derber Natur.

169. Severi Kapelle in Fulda

Schwarz Buchenblätter I, p. 11

170. Der Thorwart im Schloß zu Ernsthofen

Was sind das für zwei Kräuter? Wir finden deren in den Sagen von Nixen und Wildeweibchen meist zwei zusammen Dosten und Dorant, wilde weiße Haiden und wilde weiße Selben. (Vgl. No. 87.) Die beiden ersten schützen vor dem Nix.

171. Der lange Hannes in Fulda

Schwarz Buchenblätter II, p. 58.

172. Die Altenburg bei Sichenhausen

Von Prof. Dieffenbach.

173. Feierabend

Schwarz Buchenblätter II, 21.

174. Die Todtenkirche bei Meiches

Von Prof. Phil. Dieffenbach.

175. Schätze im Ernsthofer Schloß

Vgl. 183. In der Teufelsschule zu Salamanka nahm der Böse am Ende jedes Cursus einen der Schüler als Honorar.

177. Der Keller am Schenkelsberg

Schwarz Buchenblätter I, 67.

178. Die Katzen auf dem Rodenstein

Reinheit und Schweigen sind Hauptsachen bei den heiligen Handlungen des Alterthums. Die Hasel ist ein heiliger Strauch. Myth. 617.

180. Das Feuerchen am Wingertsberg bei Staden

Prof. Weigand im Friedberger Intelligenzblatt 1847. No. 14.

181. Der Höllacker bei Melbach

Mitgetheilt von Prof. Weigand.

Das Wort„höll “ kommt auch anderwärts in der Wetterau in zusammengesetzten Namen von Länderstücken vor. So ist z. B. zu Fauerbach bei Friedberg ein Höllwasen, in der Niedererlenbacher Gemarkung die große Höllwiese, ebendaselbst auch ein Fleck der die Höll heißt. Weigand.

182. Der Schatz unter dem Kirchthurme

Diese Sage hat mir ein Mann zu Unterflorstadt vor etwa 30 Jahren erzählt. Der Name des Ortes, wo die alte Kirche stand, ist mir entfallen; es war aber ein Ort in der Gegend an der Nidda und es schwebt mir der schon lange einsam stehende Johanniskirchthurm zu Nidda (über denselben s. Phil. Dieffenbachs 3. Abth. seines Außugs aus dem Tagebuch etc. S. 53 f.) vor, ob mit Recht weiß ich nicht. Weigand.

183. Schatzheben

Der Wagen findet sich meistens als Schreck oder Ver205 wirrungsmittel in solchen Fällen. Vgl. Wolf Rodenstein und Schnellerts p. 18. Müllenhoff S. 102. 204. Kuhn märkische Sagen und Märchen 165. Einer von den zwölfen muß herhalten , vgl. D. S. No. 337. Den zwölf Landsknechten will der Teufel nur unter der Bedingung wahrsagen lehren und alle Schätze zeigen, daß er einen mit sich wegführen dürfe. (Das. I. p. 286)

185. Schlangen ausgegraben

Vgl. D. S. No. 211, die weitverbreitete Sage vom Traum vom Schatz auf der Brücke

187. Schätze auf dem Tannenberg

Aus meiner Geschichte der Burg Tannenberg. Der Regenmohr ist der Salamander

188. Der Geldkessel

Prof. Weigand im Friedberger Intelligenzblatt 1844. No. 47.

189. Die zwölf Apostel

Nach Meier, schwäb. Sagen I p. 305 liegen in den Trümmern des Klosters auf dem Heiligenberg bei Heidelberg zwölf Apostelbilder von Silber. Ebendasselbe berichtet Dieffenbach von einem unterirdischen Gang, der vom Augustinerkloster in Friedberg zur Stadtkirche gehen soll. Urgeschichte der Wetterau p. 276.

190. Der Schatz im Schloß zu Darmstadt

Vgl. No. 270 Schätze und Erscheinungen im Schloß zu Darmstadt.

191. Reise nach Venedig

Ueberall fast in Deutschland finde ich die Meinung verbreitet, daß Welsche ( andere, besonders in protestantischen Gegenden nennen statt ihrer die Jesuiten) jedes Jahr nach Deutschland, oder wie der Erzähler unserer Sage sich ausdrückte ins Reich kamen und sich Gold die Menge holten. Vgl. Herrlein Spessartsagen 197. Schöppner bairisches Sagenb. I, 130. E. Sommer Sagen aus Sachsen und Thüringen 66. Kuhn und Schwarz Norddeutsche Sagen No. 221 u. s. w. Unserer Sage verwandt ist eine Harzsage, welche Pröhle in seiner Schrift: Aus dem Harze p. 108 erzählt, WO auch des Sprichworts gedacht ist:, Gar mancher wirft auf dem Kyffhäuser und dem Brocken mit einem Stein nach einer Kuh, der mehr werth ist als die Kuh selbst. Auch da, wie in Norddeutschland nennt man die Venetianer als Schatzkundige.

193. Das Drachenloch bei Rainrod

Wagners Volksbuch S. 196. Dess. statist. Beschreibung von Hessen II, 236.

194. Die Unkenkönigin

Von Prof. Dieffenbach. Dasselbe wird sonst von dem Schlangenkönig erzählt.

196. Die Glocke von Herbstein

Von Prof. Dieffenbach. Interessant ist, daß die weißen Pferde blind sind, da kann nur die Gottheit sie führen. Der Zug begegnet meines Wissens hier das erstemal

197. Vom Kirchbau in Schotten

Der Hirsch ist hier weisendes Thier, wie anderwärts Schimmel, Raben, Kinder die Stelle für den Kirchbau zeigen. Z. B. Müllenhoff p, 111 flg. Daß er das Material auf seinem Geweih wegträgt, ist neu, wenigstens selten. Warum litt aber der Hirsch, das Thier des Fro, nicht, daß auf dem Berge die Kirche gebaut wurde? Wollte etwa ein Gott den Ort droben ungestört behalten? Man müßte noch weitere Sagen über den Wartberg suchen

198. Storch hilft löschen

Der Storch gilt im Allgemeinen für einen besonders begabten und mit geistiger Kraft ausgerüsteten Vogel. Die Sage steht in der Beschreibung Darmstadts von Zehfuß

199. Die Zigeunerin

Dies Volk gilt überhaupt als des Feuers mächtig. So heißt es in Belgien, daß die Zigeuner in. vollen Scheunen Feuer machen daß die Funken umherfahren, ohne daß ein Hälmchen Stroh sich entzündet. Sonderbarer Weise werden sie dort oft mit den Kobolden und Zwergen zusammengeworfen und werwechselt.

201. Das Opfer der Mümmling

Das klingt ja fast, wie Prädestination (vgl. 204) der wir sonst meines Wissens nicht begegnen. Die Wassergeister halten sich gern in der Nähe von Brücken auf, von wo vorzugsweise ihre Stimmen sich hören lassen.

202. Stimme aus dem Brunnen

Der Jude und sein Kind scheinen ein in der Erinnerung des Volks haftender Nachklang an das alte, heidnische Opfer. Jude ist Nichtchrist, darum hier wohl identisch mit Heide. Der Schluß der Sage ist bedeutsam

204. Die Lahn hat gerufen

Von Prof. Weigand in Gießen. Zwischen elf und zwölf, oder gerade, um Mittag erscheinen auch die Nixen badend auf den Wellen.

Die Schiffer und Fischerleute bei Cüstrin in der Neumark reden ebenfalls von einem den Oderstrom beherrschenden unbekannten Wesen, das jährlich sein bestimmtes Opfer fordere. Wem nun dieses Schicksal zugedacht sei, für den werde der Wassertod unvermeidlich. Deutsche Sagen I, 79. Der Mensch in unserer Sage ist nicht zu übersehen; wäre es nicht eine bestimmte Person, dann würde es wohl heißen ein Mensch.

205. Regen als Beweis der Unschuld

Prof. Weigand im Friedberger Intelligenzblatt 1847. No. 51

206. Der Ehlborn

Prof. Weigand im Friedberger Intelligenzblatt 1847. No. 80. O elung, weil Oel in Hessen wie Ehl lautet

207. Der Nornborn und der Güldenborn bei Dauernheim

Jedenfalls zwei altheilige Brunnen, so wie der Ehlborn

208. St Gangolphs Brunnen

Schwarz Buchenblätter I p. 80. Dieselbe Sage kommt auch in Belgien vor. Niederl. Sagen No. 355

209. Der Bonifaziusbrunnen bei Horas

Schwarz Buchenblätter I, p. 43

210. Der Siegfriedsbrunnen

Ich gebe diese Sage keineswegs als eine alte, echte, sondern nur als Curiosität, und um zu zeigen, wie man heutzutage Sagen in das Volk hineinfragen kann. Das hat nun der Herr Geheime Staatsrath Dr. Knapp6) auf dem Gewissen, der sich vorgenommen zu haben schien, die Ermordung Siegfrieds à tout prix an diese Stelle zu verlegen. Zuerst zur Sage selbst, die auf reiner Unkenntniß der Siegfriedssage beruht und ihren modernen Ursprung nicht verläugnet. Die Erklärung des gehörnten durch mit Hörnern versehen, ist so himmelschreiend unvolksthümlich, daß sich kein Wort darüber verlieren läßt. Alt kann sie nicht sein.

Mir liegt die Sage von der Hornhaut und ihrer Erlangung in verschiedenen Fassungen aus dem Volksmunde vor, welche sie sämmtlich mehr oder weniger entstellen, aber solch eine abenteuerliche Carikatur, wie sie hier ist, wurde sie nicht, der Grund bleibt immer rein. Knapp will durch ein paar briefliche Zeugnisse nachweisen, daß der Brunnen Siegfriedsbrunnen heiße und hieß, aber den Namen hat er nicht auf der mit der größten Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit ausgearbeiteten Generalstabskarte und den Beweis aus Flurbüchern, alten Grenzbegehungen u. dgl. bleibt Knapp auch schuldig. Die Zeugnisse selbst sind dazu verdächtig. Ein bäuerlicher Bürgermeister soll dem Kreisrath erzählt haben, das Siegfriedsbrünnchen trage seinen Namen, wohl aus dem Grunde, weil der Sage nach hier der Ritter Hagen den Ritter Siegfried getödtet habe. Man muß das Volk und das Leben der Sage nicht kennen, um das zu glauben. Auch wußte nur dieser Bürgermeister (nach jenem Brief) die Namen, der des näher gelegenen Dorfs Grasellenbach nannte die Namen nicht. (!)7)

Ferner heißt es in dem Briefe, der Denkstein an dem Brunnen sei umgelegen und eine Inschrift habe wegen zunehmender Dunkelheit nicht ermittelt werden können“ und ein anderer Brief bei Knapp über denselben Gegenstand, der nur 28 Tage später geschrieben ist, weiß nichts von dem Denkstein, sondern sagt: auch sollen daselbst gehauene Steine vorhanden gewesen sein, von denen sich aber jetzt nichts mehr vorfindet. Nach diesem Briefe sollen alte Leute erzählen es sei ein gewisser Siegfried, den man nur den gehörnten geheißen habe, in dem Momente, als er sich an der Quelle um zu trinken niedergelegt, von seinem Schwager erstochen worden, daher der Name Siegfriedsbrunnen. Das klingt ebensowenig nach dem Volksmund, wie jenes, und die Widersprüche bezüglich des Denksteins stärken gerechte Zweifel. Durch dies Alles aufmerksam gemacht, besuchte ich den Ort im Herbst dieses Jahres, um selbst zuzusehen, was an der Sache sei. Da begegnete ich in Hilfertsklingen der mitgetheilten Carikatur; als ich weiter nach Grasellenbach drang, wollte mich die plumpbäuerische Speculation gar an den Ort führen, wo Hagen den Wein hingeschickt habe und wo ein Denkstein „ stehe, wo Siegfried den Bären gefangen u. dgl. und für alles das wurden die Zeugnisse der ältesten Leute beigebracht. Kurz jeder Schritt in der Gegend, jedes Wort, was ich hörte, bestärkten mich in der Gewißheit, daß der Brunnen trotz des neuen „Denksteins,“ der an ihm steht, und vor dessen mittelhochdeutschen Versen die guten Bauern gaffend stehen, wie vor arabisch oder sanskrit, nicht eher Siegfriedsbrunnen geheißen hat, als bis Herr Knapp die Frage stellte, ob er nicht den Namen trage, ob, wenn die weitverbreitete Sage von zwei Männern die an einem Brunnen einander getödtet, sich wirklich schon da fand,8) nicht der eine der Männer Siegfried, der andre Hagen geheißen und ob der Mord nicht geschehen sei, als der erste sich zum Trinken zur Quelle niederbückte.

Aber auch noch anderes spricht dagegen. Knapp leitet den Namen Wasgenwald von der dem Brunnen nahen Weschnitz her, die beim Volk Weschenz heiße. Es kommt aber nicht darauf an, wie des Flüßchens Name heut im Volksmunde lautet, sondern wie die Aussprache in älterer Zeit war. Da finden wir aber die Formen Wiffcoz fluv. ( a. 766), Wifcoz (a. 779), Wisgotz (a. 795), Wisgoz (a. 805).9)

Endlich aber widerspricht der Annahme das Gedicht selbst. Nibel. 995 sagt Hagen, er habe den Wein, ze dem Spehtsharte gesandt und da dieser von der Lagerstätte offenbar entfernt ist und weit entfernt denn eine kurze Strecke hätten die berittenen Jäger bald zurücklegen können so müssen die Herren ungetrunken bleiben. Weiter sagt Hagen „ich weiß hier viel nahe einen Brunnen kalt, dahin laßt uns ziehn,“ er soll den fernen Wein ersetzen. Der nahe Brunnen muß also weit vom Spessart entfernt liegen, denn er liegt bei der Stelle, wo (?)

Daß nach diesen Erwägungen Knapps Annahmen, der mit der Oertlichkeit offenbar vertraute Dichter habe statt der Eiche, die an der vorliegenden Quelle stand, willkürlich eine Linde gesetzt, oder die Dorflinde von dem eine halbe Stunde entfernten Grasellenbach dahin verlegt, daß er statt des Distrikts Doteshan ein Dorf Otenhain angenommen habe, zusammenfallen, spricht von selbst.

Da wir gerade an dem odenwälder Spessart stehn, will ich auf eins aufmerksam machen, was vielleicht zu der Frage gehört. In Kleinheubacher Hexenakten des gräflich erbachischen Archivs zu Michelstadt fand ich unter den Orten, an welchen vorzüglich Hexentänze statt finden, einen genannt, der „am Helmbild im Spessart“ heißt. Der Name deutet auf einen Stein, auf dem ein Wappen mit einem Helm oder aber ein Ritter im vollen Waffenschmuck ausgehauen war. Wo liegt dieser Ort? Trugen die vormals an der Quelle vorhandenen Steine vielleicht ein solches Bild? Aeltere Flurbücher würden die Frage bald lösen, dann ließe sich weiter von dem Brunnen sprechen und so kämen wir wenigstens auf redlichem Wege zu einem Resultat, mag dieß nun sein, welches es wolle

211. Kinderbrunnen

Ein Nachtrag zu No. 17. Herr Pfarrer Oeser in Lindheim (Oberhessen) hat so eben die Güte, mir noch die folgenden schätzbaren Mittheilungen zu machen. In allen Dörfern meiner Umgebung ist der Ort, woher die Kinder kommen, ein Brünnlein.

In vielen heißt er kurzweg der Kindsbrunnen und wird unter den vorhandenen Quellen in dem Ort oder um denselben namentlich gezeigt; in einigen ist er nur eine objektlose Sage. In Lindheim heißt er der Herrnbrunnen, in Glauberg der Riedbrunnen, in Hainchen der Goldbrunnen (vgl. 207) auf der Pfingstweide, die andern Dörfer führen nur die Namen Feld, Wald-, Rainbrunnen. Ueberall bringt das Kindchen etwas mit, meistens Zucker oder Weck, auch Kuchen und Guts. Bei uns in Lindheim hat das Kind ein Säckchen anhängen und trägt das Gute darin. In Bernsburg bei Alsfeld heißt das Brünnchen Stichelsbörnchen und die Kinder bringen Zucker mit, in Londorf (Rabenau) Klingelbörnchen. “ Bedeutsam ist von diesen Brunnennamen der des Goldbrunnens auf der Pfingstweide, welcher auf alte Heiligkeit deutet, denn Gold ist das göttliche Metall. Herr Pfr. Oeser verspricht, die Sammlung der Namen solcher Kinderbrunnen fortzusetzen und bemerkt sehr richtig:, es wäre interessant, die Namen der Feldbrunnen im Allgemeinen einmal zusammen zu stellen; wir haben sogar einen der s. v. der Farzborn heißt, „ wahrscheinlich von dem Ton, den das der Erde entspringende Wasser von sich gibt, oder gar von seinem Geruch? Eine solche Sammlung würde unserer Alterthumskunde vielfaches Licht bringen und ich bitte Alle, denen es möglich ist, für sie zu wirken, sich die Sache recht angelegen sein zu lassen.

Sonderbarerweise bittet ein Graf von Assenstein seinen in den Schloßbrunnen gebannten Ahnherrn um Nachkommenschaft. (Pröhle aus dem Harz“ p. 93.) Muß das nicht die Ahnfrau heißen?

213. Des Fremdlings Fluch

Mitgetheilt durch Herrn Pfarrer Oeser in Lindheim. Vgl. 205. Deutsche Sagen No. 360. Deutsche Märchen und Sagen p. 308. p. 26.

214. Der Aepfelbaum bei Trebur

Joh. Just. Winckelmann Beschreib. von Hessen und Hersfeld

215. Das Bäumchen schütteln

Vilmar in der Zeitschrift des historischen Vereins von Churhessen IV

217. Das steinerne Bild zu Konradsdorf

Von Phil. Dieffenbach. Vgl. auch Archiv für hessische Gesch. und Alterthumskunde V, 2. Heft No. 13 p. 23. Die Sage ist offenbar aus dem Bildwerk entstanden und dies scheint eine rohe Darstellung der Köpfe der unter dem Namen Deae matrae oder mairae auf zahlreichen römischen Votivsteinen vorkommenden Dreizahl göttlicher weiblicher Wesen, welche den Deutschen und Celten gemeinsam gewesen zu sein scheinen. Conradisdorf kommt bereits um 1108 vor. Der Stein ist übrigens, wie ich mich nachträglich überzeuge, nicht im Nonnenhaus, sondern außen an demselben eingemauert. Das Haus selbst ist gleich der Kirche im altchristlichen sogen. romanischen Styl gebaut.

218. Der gefestete Grundstein

Schwarz Buchenblätter I, 64.

220. Der Hellerstein

(Hellenstein ist Druckfehler.) Joh. Justus Winckelmann Beschreibung von Hessen und Hersfeld p. 39.

221. Der Kirchberg bei Ulfa

Von Prof. Dieffenbach. Vgl. 197, 222 und den Nachtrag, so wie Beiträge zur d. Myth. p. 30.

227. Frevel am Heiligsten

Aus Hilfertsklingen, eine halbe Stunde von Güntherfürst, wo man mich auch versicherte, die Thäter seien eingezogen und erwarteten ihr Urtheil. Das ist gegenwärtig die alte, schöne poetische Spinnstube. Kein Wunder, wenn sie an vielen Orten verfolgt und selbst verboten wird.

228. Habgier findet ihre Strafe

Schwarz Buchenblätter II p. 134. Die Sage streift schon fast an den Schwank.

229. Lollus

Die Sage ist Aus dem Exempelbuch von Zachar. Rivander. darum interessant, weil schon die Rede war von einem altfränkischen Gott Lollus oder Lullus, (vgl. u. a. Bechstein Sagenschatz des Frankenl. I. p. 25) der bei Schweinfurt verehrt worden sein soll. Zuerst ist dessen gedacht von Dr. J. L. Busch in dessen collect. chronol. Swinfurt., wie Bechstein sagt, wann lebte aber Busch? Sollte Rivander älter sein, dann gewänne die Sage noch an Interesse.

231. Die Speise in der Hölle

Von Prof. Weigand. Darum nicht unbedeutsam, weil das für den Festtag der Berchta festgesetzte Gericht Fische und Klöße sind, im Voigtland bloß Polse, ein dicker Brei von Mehl und Wasser. Mythol. p. 251

232. Der Zigeunerstock

Das war überhaupt das Loos der alten Leute so wie der schwächlichen Kinder und unheilbaren Kranken im Alterthum, wie Jacob Grimm durch Zeugnisse aus dem Norden, aus Procop, von den Herulern, ferner von den Wenden, den Altpreußen u. a. nachweist. (Rechtsalterthümer p. 480.)

234. Battenfeld

Schriftliche Nachr. des Pfarrers J. G. Bichmann vom Jahr 1720 in Ayrmanns Miscellaneen. (Ms.)

235. Die Doppelehe des Rodensteiners

Die alte Geschichte vom Grafen von Gleichen, die aus dem Grabmal entstand und sich bekanntlich auch in Frankreich und Belgien wiederfindet. Ein neuer Beweis wie sehr diejenigen im Irrthum sind, die jene für unzweifelhafte Wahrheit erklären.

236. Die Frauen von der Glauburg

Leesner Frankfurter Chronik II, I, p. 174.

237. Die treue Frau

Landau hessische Ritterburgen II. 316. Die Erhaltung des Kindes im Bauch frischgeschlachteter Schweine ist mythisch Myth. 361. 362. Eine Reihe anderer Sagen, wie diese und die vorhergehende , worin eine Frau ihren Mann auf dem Rücken trägt und so ihn rettet, lege ich zur Seite. Die Verbreitung der Sage in den Niederlanden habe ich Niederl. Sagen p. 674 besprochen, wo ich allein sieben dortige Varianten von ihr nachwies. Vgl. Grimm Kindermärchen No. 94

238. Conrad von Tannenberg

J. W. Wolf und J. von Hefner, die Burg Tannenberg p. 33. Eine localisirte Version der Sage, welche in dem flämischen Volksbuch vom Ritter Alexander von Metz und seiner Frau Florentina (Grimm d. S. No. 531) und in dem Volkslied vom Grafen von Rom (Uhland alte hoch und niederd. Volksl. p. 784) vorkommt. Sie ist noch heute sehr verbreitet, wie Müllenhoffs Sagen, Märchen und Lieder aus Schleswig - Holstein und Lauenburg beweisen, wo sie p. 586 unter der Ueberschrift von dem König von Spanien und seiner Frau erzählt wird. Ich hörte sie in vorliegender Gestalt zuerst in Jugenheim, am Fuß des Tannenbergs, später ausführlicher und mit Bruchstücken der von der Frau gesungenen Lieder in dem Odenwald. In dieser letztern Gestalt habe ich sie in meinen deutschen Hausmärchen „ p. 98 flg. mitgetheilt und es stellte sich heraus, daß die Lieder der Frau in Schleswig dieselben sind, wie in den stillen, abgeschlossenen Thälern des Odenwalds. (Vgl. Müllenhoff p. 588, Hausmärchen p. 109.) Mit dem Eingang der Version in den Hausmärchen, worin die Schönheit der Frau beschrieben wird, stimmt überraschend eine ähnliche Schilderung in dem russischen Märchen bei Dieterich p. 35.

239. Die Heeg

Vom Herrn Pfr. Erdmann in Gelnhaar.

240. Von der Windeck

Aus Hofrath Grimms Vorzeit und Gegenwart des Odenwalds und der Bergstraße

241. Der letzte Schönenberger

Aus der Zeitschrift des historischen Vereins für das Churfürstenthum Hessen

242. Der letzte Graf von Bilstein

Landau hessische Ritterburgen I, 17.

244. Der Rodensteiner ermordet sein Weib

H. Zehfuß, die Herren von Rodenstein p. 47.

246. Die Kapelle zu Eisenbach

Vom Herrn Pfarramtscandid. Stock in Darmstadt

247. Ulrichstein und Petershain

Von Prof. Dieffenbach in Friedberg. Ebenso die folgende Sage.

250. Der Riedesel Name

Von Herrn Stock in Darmstadt, so auch die folgende Sage. Wie man sieht, hat sich diese Sage aus dem Namen und dem Wappen erst gebildet, wovon es zahlreiche Beispiele gibt.

251. Ripsfeld, Herbstein und Lanzenhain

(Ripfeld ist Druckfehler.) Ursprünglich war die Sage einfacher, die Anlehnung an die drei Burgennamen ist, wie es scheint, jüngerer Zusatz.

252. Selters. 253. Langwasser und Garen

Von Prof. Phil. Dieffenbach in Friedberg. Ueber alle diese Volksetymologieen s. Förstemann's schöne Abhandlung in der Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung von Aufrecht und Kuhn. Berlin 1851. I, p. 1 flg.

254. Watzenborn

Hier ist schon der Uebergang in den Schwank, die äußerste Grenze der eigentlichen Sage. Watz ist bekanntlich Eber, das männliche Schwein.

255. Die Frau von Einshausen

Von Prof. Weigand in Gießen.

257-261. Griesheimer Schwänke

Alle gesammelt würden ein ganzes Buch füllen, ich ließ aber die mit den Abderiten, Krähwinkler, Schöppenstädter-, Gansloser und ähnlichen Streichen verwandten und allerwärts bekannten weg, eine gute Zahl anderer waren ihres Inhalts wegen, der gar zu derb ist, nicht wohl mittheilbar. Ich wählte darum nur einige noch nicht bekannte heraus.

262. Drei Räthsel

Von einem Veteranen in Jugenheim. Ich brauche nicht an die schönen Worte zu erinnern, welche Wilh. Wackernagel in Haupts Zeitschrift f. deutsch. Alterth. III, 25 über die Bedeutung der Räthsel schrieb. Unter den dort von ihm mitgetheilten Räthseln und Fragen findet sich nun auch unter 45:,Ein frag. Wie hoch vom himel her ab sey. Antwurt. Das weiss nach got nyemant dann der teüfel der hat es gemessen. vnnd mag nit wider hin auff kommen. “ Sie sind einem Büchlein aus dem Anfang des XVII Jahrh. entnommen, aber, was sich von dieser Frage wenigstens nachweisen läßt, jedenfalls von viel höherm Alter. Diese nämlich, der wir auch im ersten der beiden Bäthselstücke begegnet, kennt schon Thomas Cantipratensis (ed. Colvenerii p. 491, II, 53, 5.) und zwar in der Verbindung mit zwei andern Räthselfragen, wie in unsern Stücken, in einer Legende, welche ich auch in Sebastian Brands Leben der Heiligen (I. 335) finde. In derselben sehen wir einen Mann, zu dem der Teufel in eines schönen Weibes Gestalt kommt.

Der Mann verehrte den h. Bartholomaeus besonders und dieser findet sich in Gestalt eines Bettlers vor seiner Thür ein und legt ihm drei Fragen vor. Die erste ist, was dem Menschen zu meist eigen sei. Der Mann sagt, das Lachen, das thue jeder von Natur gern, aber der Böse nennt richtiger die Sünde. Die zweite Frage ist, an welcher Stelle Gott das größte Zeichen gethan, die doch nur einen Schuh „ breit sei? Der Mann sagt, am h. Kreuz, der Teufel in des Menschen Haupt. Die dritte Frage ist, wie weit vom Himmel bis zur Erde sei. Der Mann sagt, er wisse es nicht, der Teufel: Wohl aber ich, denn ich bin soweit und tiefer gefallen. Damit verschwindet er. Brand fügt hinzu, man erzähle dasselbe Gleichnis “ auch von dem heil. Zwölfboten Andreas

Die Antwort, welche in No. 1 auf die Frage gegeben wird, wie weit es in den Himmel sei, findet sich gleichfalls 50 (?) in den heißt:

Wie fern von aim ort
Ant. ain tag raiss. als die sunne
morgens vnnd nider gang des
Bäthseln und Fragen wieder.
der welt an das ander sey.
bezeugt mit irem auffgang des
nachtes.

An den Abt von Canterbury in Percy„s relicks und an Bürgers Kaiser und Abt, die unsern Stücken eng verwandt sind, erinnert sich jeder.

264. Ritt nach Heidelberg

Zacharias Rivander“s Exempelbuch. I, 66b. Aehnlich faßt und entführt Odhin den blinden Greis Hading auf seinem Ross Sleipnir, nur hüllt der Gott ihn in seinen Mantel. Der Mensch wird an der Brücke abgesetzt, weil fließendes Wasser den Zauber bricht.

265. Geisterheer

Rivander erzählt dieß I, 69 nach Jobus Fincelius von einem andern Ort; in dem mir vorliegenden Exemplar des Exempelbuches steht jedoch am Rand der Zusatz eines pastor breubergensis: Dieses Gesichte ist anno 1740 auch bei Hasloch an der Kinzig gesehen worden.

266. Drei Jungfrauen

Als Hans der Träumer die drei letzten Bäume in der Nähe seines Hauses fällen wollte, fand er unter denselben Morgens drei Jungfrauen sitzen, die mit den zerrinnenden Thautropfen verschwanden und über den Untergang des Waldes klagten. Der Ritter ließ die Bäume stehn und sein Geschlecht blieb in Wohlstand und Reichthum. Pröhle aus dem Harz „ p. 93.

270. Schätze und Erscheinungen im Schloß zu Darmstadt

Aus urkundlichen Nachrichten im geheimen Kabinetsarchiv zu Darmstadt, deren Mittheilung ich Herrrn Geh. Archivar Baur erdanke. Ich habe nur dieß wenige ausgewählt, der Rest ist unwichtig. Vgl. hierzu No. 189. Hauptsächlich bedeutsam ist das kleine Männchen, welches bereits zu zwei Drittel erlöst scheint, denn nur sein Kopf ist noch schwarz.

274. Sage von der Meicheser Todtenkirche und Engelrod

Von Prof. Weigand in Gießen. Wahrscheinlich ist die Kirche dem heiligen Hause in Loretto nachgebildet.

Quellen:


1)
No. 42 fg. zeigen den Zusammenhang zwischen der Schlange und der Jungfrau.
2)
Vgl. Kuhn und Schwarz Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche p. 218. 219. 222. Grimm deutsche Sagen I. p. 31.
3)
Von Herrn Legationsrath G. von Meyern, der eben mit einer eignen Arbeit über den Rodenstein beschäftigt ist. Vgl. über die Burg meine kleine Sehrift: Schnellerts und Rodenstein, ihre Sagen und deren Bedeutung für die deutsche Alterthumskunde. Darmstadt 1848.
4)
Vgl. auch, Rodenstein und Schnellerts. Ihre Sagen und deren Bedeutung für die deutsche Alterthumskunde. Von J. W. Wolf, (Darmstadt 1848.) woraus viele der hier mitgetheilten Sagen entnommen sind.
5)
Die Windhunde von der Jagd, wie es ausdrücklich heißt und welche die Sage also streng von den schatzbewachenden Hunden unterscheidet
6)
Archiv für hess. Geschichte und Alterthumskunde IV, 2. Heft No. 8.
7)
Und dennoch hieß der Brunnen Siegfriedsbrunnen
8)
Woran weniger zu zweifeln ist, da Bader in den Sagen des Neckarthals, der Bergstraße und des Odenwaldes sie schon meldet, aber wiederum ohne Angabe irgend eines Namens. Auch er spricht von dem Denkstein. Ebensowenig weiß der Weinheimer Hofrath Grimm in seiner Vorzeit und Gegenwart der Bergstraße und des Odenwaldes (ältere Ausgabe) von dem Brünnchen und seinem Namen.
9)
Cod. lauresh. I, p. 235, 242, 6. Würdtwein dioeces. Mogunt. I, 470. Scriba hessische regesten I, 9, 59, 113, 133. der Jagdzug sich gelagert hat. Nun will es aber das Unglück, daß der Brunnen Knapps gerade im Speßhart liegt und daß der ganze Speßhart nur zwei Stunden höchstens im Umfang hat, also so groß nicht ist, daß die Jäger auf ihren Rossen nicht den Wein bald erreicht hätten, wenn er wirklich da gewesen wäre.
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