sagen:xv._die_pflanzen
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XV. Die Pflanzen.
- Wenn man sich vor Unglück bewahren will, so muss man im Hause stets Weihrauch und Myrrhen vorräthig halten.
- Wer ein weißes Veilchen findet, dem steht ein grosses Glück bevor.
- Wenn man den Stiel oder die Sturle eines Butterfasses von heiligem Kreuzholz macht, so erhält man beim Buttern schnell Butter.
- Wenn man will, dass die Zähne der Harke nicht brechen, so muss man sie von heiligem Kreuzholz machen.
- Wenn man aus dem Strohdach eines ererbten Hauses Stroh zieht und man findet in den Aehren des Strohes einige Kömer, so giebt es ein gesegnetes Jahr.
- Wenn man an einem Obstbaum ein Pärchen findet und man hängt dasselbe an das Fensterkreuz, so hat man Glück.
- Wenn man beim Dreschen Zwillings- oder Drillingsahren findet, so muss man dieselben hinter den Spiegel stecken und dort aufheben. Geschieht das, so bringen sie Glück.
- Wenn von einem jungen Obstbaum, welcher zum ersten Male tragt, die Früchte gestohlen werden, so trägt derselbe nie wieder.
- Wenn ein junger Obstbaum zum ersten Male trägt, so muss man die Frucht noch unreif abpflücken. Thut man das, so tragt er später reichlich.
- Während die Glocken zur Christnacht läuten, muss man einen Baum im Garten mit einem Strohband umbinden. Thut man das, so trägt der Baum reichlich.
- Wenn man während des Abendläutens Strohbänder um die Bäume wickelt, so tragen dieselben gut.
- Wenn man die Bäume während des Abendläutens stark schüttelt, so tragen dieselben gut.
- Wenn man die Ueberbleibsel einer Mahlzeit einem Baume an die Wurzeln schüttet, so wird der Baum sehr fruchtbar.
- Wenn man den Obstbäumen einen Spinnrocken hinzeigt, so vermindert sich deren Fruchtbarkeit.
- Wenn ein Nussbaum gute Früchte tragen soll, so muss man ihn auf einen viereckigen Stein pflanzen.
- Wenn von einem Krautbeet Kraut gestohlen wird, so darf man in dem Jahre, in welchem das geschehen ist, nichts pflanzen. Thut man das dennoch, so geräth nichts auf dem Felde.
- Wenn man Gurkenkerne legt, so muss man bei der Arbeit recht lange Schuhe tragen. Geschieht dies, so werden die Gurken so lang, wie die Schuhe sind.
- Wenn man die Samenmohrrüben vor Hasenfrass schützen will, so muss man den Ackerfleck, auf welchem sie stehen, dreimal umgehen und dabei sprechen:
Hasen, ich verbiete Euch,
Dass Ihr gehet vor der Zeit
Und fresset von meinen Mohrrüben.
Sonst soll Euch der Tod gewähren:
Sie sind nur für Menschen zu zehren.
Quelle: Edmund Veckenstedt: Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche. Leuschner & Lubensky, Graz 1880
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