Vom erschlagenen Kaufmann bei Lohmen
Denksteine und Steinkreuze, in: Heimat - Jugendblätter zur Heimatkunde für Sächs. Schweiz und Osterzgebirge, 3.Jg. (1928), Nr.6, S.43
Wer von Lohmen nach Mockethal wandert und den Weg über den Riesenfuß wählt, der kurz vor Doberzeit von der Staatsstraße Rathewalde - Pirna abzweigt, kommt nach einigen hundert Schritten an ein altes verwittertes Steinkreuz. Es steht heute auf freiem Felde, dicht am Wegrande. Keine Inschrift, keine Zahl gibt Aufschluß über Zweck und Entstehung. Doch seit Urvätertagen raunt die Sage um diese Stätte und bringt Kunde, erschrocken und leise, von einer grausigen Tat:
Zu jener Zeit, da Lohmen noch ein Städtlein genannt wurde und das Recht hatte, im Jahr zwei Märkte abzuhalten, reitet ein fremder Kaufmann noch spät am Abend heimwärts. Vor Doberzeit biegt er links den Weg nach Mockethal ein, um bei Posta die Elbfähre zu erreichen. Das Geschäft war recht gut gegangen, und nun ist die lederne Geldkatze wohlangefüllt mit Groschen und Gulden. Frohgelaunt überrechnet der Herr den reichen Gewinn, während das sichere Tier vorsichtig im dichten Walde vorwärtsstrabt. Rasch bricht die dunkle Nacht herein. Da bäumt sich plötzlich das Pferd hoch auf! Feste Hände reißen in den Zügeln. Der Reiter wird aus dem Sattel gerissen; wuchtige Schläge sausen auf ihn nieder. Bald sinkt er schwer getroffen zu Boden.
Am folgenden Tage fand man den Kaufherrn erschlagen am Wege. Hab und Gut war ihm geraubt. Zwei Wegelagerer hatten ihn überfallen und mit der Beute schleunigst auf ihren Pferden das Weite gesucht.
Heute kennzeichnet das schlichte Steinkreuz die Stelle, und im Lohmener Kirchenbuche erinnert eine kurze Aufzeichnung an jenen Raubmord: „1563, am Tage vinculae Petri (1. August), ist einer zu Roß am Questenberge von zwei Reitern erschlagen, beraubt und zu Lohmen begraben worden“.
Quelle: Die Sagenwelt der Sächsischen Schweiz, Sven Wusch, 2024
