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Salzungen und sein See
In einer der schönsten Gegenden des Werrathales, da, wo die südwestlichen Terrassen des Thüringer Waldes und die nordöstlichen Vorberge der Rhön in der Thalsohle fußen, liegt das Städtchen Salzungen mit seinem kleinen aber tiefen See. Um die reichen Salzquellen, von denen das Städtchen seinen Namen hat, sollen sich bereits die Katten und Hermunduren arg befehdet haben1).
Vom See trägt man sich im Volke noch mit mancherlei Sagen. Ein Taucher sagte einst aus, daß der See bis unter die Hälfte der Stadt reiche und nach einer Prophezeihung der sterbenden letzten Aebtissin des Klosters Allendorf soll dieser Theil derselben einst vom See verschlungen werden, der andere dagegen in Feuer aufgehen. Der See verlangt jedes Jahr sein Opfer, sonst braust er auf.
Vor alten Zeiten wohnten auch drei Wasserjungfern im See, die oft in die nahe gelegene Kemnate, den Haun'schen Hof, spill gingen. Hier tanzten sie gerne bei den Festlichkeiten der Burgherren. Sie waren von unmenschlicher Schönheit, hatten grünliche Haare und trugen lange grüne Schleppkleider, die aber am Saume immer naß waren.
Da sie einmal über die Zeit dort zurückgehalten wurden, jammerten sie arg und sagten, sie würden nun nie mehr wiederkommen können, und als sie die große Treppe in den See hinunter gestiegen waren und der See über dieser zusammenschlug, da färbte er sich roth; die Wafferjungfern aber sah man nie wieder.
Einst brachte auch eine Nixe ihr neugebornes Kind nach den Fleischbänken, allwo sie gar gut bekannt war, zum Aufziehen. Als das Kind das Alter erreicht hatte, daß es gefirmelt werden sollte, denn damals war hier herum noch Alles hart katholisch, da kam die schöne Wasserjungfer und verlangte ihr Kind zurück; die Metzgersleute aber verweigerten ihr's. Als aber bald darauf das Kind sich im See badete, wurde es von unsichtbarer Hand in die Tiefe gezogen.
Eine andere Wasserjunger, die sich in einen der jungen Metzger verliebt hatte, besuchte diesen täglich in seiner Fleischbank, und als er deshalb von seinen Kameraden gefoppt wurde, so hieb er eines Tages der Wafferjungfer, da sie nach dem Fleisch griff, wie aus Versehen einen ihrer zarten Finger ab, um sie dadurch auf immer los zu werden. Von Stund an faulte ihm alles Fleisch in der Bank, so daß es Niemand mehr in der Nähe aushalten konnte. Er selbst aber verarmte dadurch, zehrte sichtlich ab und wurde eines Morgens todt im See gefunden.
Quellen:
