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Vom tollen Jägersgraben - 1. Sage
„Ein armer Kötzenflicker aus Förtha mußte einmal Nachts dort vorüber. Da hörte er einen Weltspektakel in dem Graben; es war als wenn der ganze Wald zusammenbrechen wollte. Er sah auch wie Einer seiner Meinung nach ein Stück Wild auswirkte und er dachte, den läßt du hübsch links liegen, und ging im Bogen um ihn herum. Als der Kötzenflicker vorbei war, konnte er es aber doch nicht über's Herz bringen, rief im Spaß: „Kann man da auch einen Braten davon kriegen!“ und machte darauf, daß er heim kam. Kaum jedoch hatte er sich niedergelegt, als Haus- und Stubenthüre aufflogen und es einen schweren Fall auf den Tisch that. Dem Kötzenflicker wurde es himmelangst; er stand aber doch auf und machte Licht, um das Geschenk zu betrachten. Zu seinem Schrecken gewahrte er das Viertel eines Pferdes, an dem selbst noch das Hufeisen hing.
Am andern Morgen hockte der arme Teufel den Braten auf und trug ihn wieder an den Platz, wo er Abends zuvor das Stück Wild hatte auswirken sehen. Es half ihm aber nichts. In der folgenden Nacht passirte ihm das nämliche Stückchen. Er hockte das Geschenk wieder auf und schaffte es an die bewußte Stelle. In der dritten Nacht ging's grade so. Das war ihm denn doch zu toll. Er ging nun zu seinem Pfarrer und erzählte diesem den ganzen Vorfall. Der machte sich mit ihm auf den Weg nach dem tollen Jägersgraben und citirte den Bösen selbst herbei. Und der kam auch. Der Pfarrer stellte darauf dem Bösen vor, daß der Mann die Aeußerung nur im Scherz gethan und nichts mit ihm zu schaffen haben wolle, und da der Böse sah, daß hier nichts zu machen war, so nahm er zwar das Fleisch wieder zurück, stach aber beim Weggehen dem ehrlichen Kötzenflicker eine so derbe Ohrfeige, daß dieser am dritten Tag seinen Geist aufgab.
Quellen:
