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sagen:wendischesvolksthum96-1

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Der Teufel als Hase

Es waren drei Mann zusammen in einer Scheune. Der eine von ihnen sagte im Uebermuth: »Ich werde mich an einem Strohhälmchen aufhängen«. Wie er sich dann das Strohhälmchen zur Schlinge zurecht gemacht und den Kopf hineingelegt hatte, lief ein Hase vorbei. Da liefen die beiden anderen dem Hasen nach und wollten ihn greifen. Der Hase aber machte immer Sprünge und setzte sich nach einem Weilchen auf den Hintern. Da meinte der eine: »Das mag Verstellung1) sein«, und ging zurück in die Scheune. Wie er wieder in die Scheune kam, hatte der erste schon die Zunge zum Halse herausgestreckt. Dann machte er ihn geschwind los, und der Erhängte kam wieder zum Leben und erzählte: »Vor mir war ein sehr grosses Loch, viele hundert Ellen tief, als sollte ich hineinfallen. Deswegen zog ich den Kopf immer mehr von dem Loche zurück. Dabei zog sich der Strohhalm mehr und mehr zu und hat mir den Hals gewürgt«.

Grossmutter hat mir das manchmal erzählt. Ja, ja, Hans Märten zieht fest, wenn es auch bloss ein Strohhalm ist. So sagen sie: »Hans Märten kommt gleich und macht dumme Streiche«. B.

Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 85-86.


1)
D.h. das ist kein wirklicher Hase, dahinter steckt etwas anderes, mehr, der Teufel. – Ein alter Wende äusserte mir oftmals verschiedene Bedenken, u.a. »Die einen sagen: der Teufel ist das Böse, das jeder bei sich hat; die anderen: der Teufel regiert die Welt. Wie stimmt das? – Die sündigen Menschen kommen in die Hölle, sagt man, dann müsste der liebe Gott schon deswegen die Hölle gemacht haben. Wenn also von Anfang an die Hölle war, mussten auch die Menschen von Anfang an sündig sein und die Sünde mit in die Welt gebracht haben, u.d.m.
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