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Der unbekannte Schläfer
In Neschwitz, Njeswaćydło, bei Bautzen, ist ein altes Schloss; da schläft allnächtlich einer in einer Stube. Alle Morgen ist das Bett in der Stube eingesielt und muss jeden Tag wieder gemacht werden; sonst aber ist das Schloss unbewohnt. Das kommt daher. Es war eine Prinzessin, der hatte der König von Sachsen einen Wagen mit goldenen Reifen (Rädern?) geschenkt. Und wie die Prinzessin und ihr Gemahl in dem Wagen spazieren fuhren, warf der Wind den Wagen mit ihrem Kinde um, und das Kind brach sich den Arm oder das Bein. Da haben die Eltern den Wagen in einen unterirdischen Gang gefahren und ihn verwünscht. Und seit der Zeit ist es1), dass immer allnächtlich das Bett eingesielt wird. S.
Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 84.
