<<< zurück | Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte | weiter >>>
Die Hexen
Chodota, chódota, die Hexe [überall]; bei Branitz: chydota1)
Opargi, hopargi, olpargi, hoperga, die Walpurgisnacht.
Wolborgen z.B. in Steinkirchen und anderen jetzt deutschen Dörfern [wie überall in der Mark].
Na hopergu [źož šycke ludźe hobterga] gehen die Hexen, um den Nutzen von anderen zu haben, dreimal vor Sonnenaufgang heimlich in die Ställe und nehmen etwas von Stroh und Mist, und ein bischen von der Schwelle, laufen auch auf fremden Wiesen herum und suchen Gras zusammen, von jeder eine Hand voll (gersć). Von Schleife aus ziehen die Hexen auf den Schönhaideschen Berg2), die babina góra [Weiber-Berg] und reiten dahin auf Ofengabeln und (mehr noch) auf Backofenkrücken3). S.
Acht Tage nach h. hiess früher stara hoperga, da wurden früher Saubohnen gekocht (bob budźomy na st. h-gu warić). S.
Den 1. Mai soll alle Milch aus dem Milchspinde durchgebuttert werden, manche gospoza thut's heute noch. S.
Den »Nutzen,« hužytk4), soll man nach dem Kalben der Kuh zu fressen geben. B.
Neue Töpfe soll man mit Liebstöckel [Levisticum paludapifolium Aschs], běła kopŕiwa [Lamium album] und škorodłicka Wegebreit [Plantago major L. und Plantago lanceolata L. Aschs] auskochen (ausbrühen) und den Abguss nachher dem Vieh zu saufen geben. B.
Wer sich unter eine »abgestorbene5)« Egge (brona) setzt, die an eine Wand gestellt ist, der sieht, wenn eine Hexe in den Stall zum Vieh kommt. Wenn eine Frau rothe Augen hat, (auch unter den Wenden), so sagt man: »Det is 'ne olle (alte) Hexe«. G.-S.
Wenn ein Schmetterling abends in der Stube herumfliegt: »Da ist eine Hexe«. Gross-Döbern. (Ebenso in der Mark)6).
Von den Zigeunern soll man sich nicht umgehen lassen, denn sie können einen versprechen.
Zuweilen sind Räder am Wagen behext. Ein wendischer Mann in Burg hat einen Wagen7), dessen eines Rad ist, wie jeder weiss, behext. Manchmal dreht es sich, manchmal nicht, mag er schmieren, soviel er will.
Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 75-77
