sagen:wendischesvolksthum93
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Der Spiritus
Ein Bauer hatte einen Knecht und dessen Pferde waren immer in gutem »Stande«. Und der Herr wusste nicht, wie es kam, weil der Knecht immer in der Schenke sass. Darum passte er auf, wie der Knecht eines Morgens ganz früh wegfahren sollte. Die Stallthüre war zu und der Knecht vom Abend her noch in der Schenke. So kuckte der Herr durch's Schlüsselloch und sah: ein grosser Kerl mit Tressen am Rock putzte die Pferde und pfiff sich eins. Da wusste er, dass der Knecht einen »Geist«1) hatte. S.
Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 74
1)
»Spiritus« (Kobold, kobok in Werben). »Viele Mädchen haben einen spulejus«. Schleife. Die »schwarze Schule« in Leipzig war früher hochberühmt; auch Wenden sind öfter diesen Weg gezogen. Ich selbst kannte einen alten Wenden, Doctor, welcher in früheren Jahren dorthin reiste. »Einmal kam er bei einem Hause vorbei, Licht war in der Stube und die Thüre stand ein wenig auf. Durch die Spalte sah er eine Frau mit einem grossen Buche, das war schwarz und die Buchstaben weiss. Es war der Koraktor.« Er reiste weiter gen Leipzig, kam auch dahin, wo es die Zauberbücher gab, allein sie waren »alle« geworden. So kehrte er ohne sie heim.
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