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Der Geist des Erschlagenen
In oder an einem Hause in Lübbenau weinte es alle drei Wochen vor Weihnachten; es ist nämlich da in einer Stube einer erschlagen worden. Einmal waren, drei Wochen vor Weihnachten, der Knecht und die Magd in der Kirche gewesen. Als »nach der Kirche« der Knecht wieder in seine Stube zurückkam, sah er einen grauen Mann. Der hatte einen sehr langen Bart, welcher ihm bis unter die Kniee ging. Da erschrak der Knecht sehr; lief heraus und machte Lärm auf dem Hofe. Allein der Herr wollte nichts davon wissen, hat es »in den Wind geschlagen1)«, sagte: »Was Ihr wieder gesehen habt! Co wy sćo zasej wižili!« Dann gingen Magd, Knecht und Köchin in die Stube, da kam ihnen ein grosser Sturmwind entgegen und war alles zu Ende. Das war gerade um Mittag in der zwölften Stunde. Dann schalten die Leute den Knecht, weil er nicht nach dem Begehren des Mannes gefragt hätte und meinten, der würde geantwortet haben, weil er zu Weihnachten keine Ruhe hätte. B. I, 88, 145.
Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 2.
