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sagen:wendischesvolksthum89-3

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Der Klotz in der Spinnstube

Wenn die Graben in die Spinnstube kamen, blieben die Mädchen weg, denn keins wollte mit ihnen zu thun haben. Früher stand in allen Stuben der Kienklotz an der Thüre, denn die Leute brannten damals noch alle Kien.1) Da nun wollte sich kein Mädchen hinsetzen, aus Furcht vor den Graben, obwohl es der beste Platz war, weil man gut sehen konnte. Da haben sie immer alte Weiber gehabt, die mussten auf dem Klotze sitzen. Wenn dann die Graben ins Haus hineinkamen, so sagten sie zu einander: »Grabcu, tu na tom kušku, greif zu (ergreife), die auf dem Klotze«. Wenn sie dann in die Stube kamen, fanden sie alte Weiber auf dem Klotze, mit denen wollten sie aber nichts zu thun haben. S.

Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 71.


1)
Damals wie noch vereinzelt in haidereichen Gegenden: ich sah Kienfeuer (im »Ofenloch« [Kamin] pjacyk. B.) in Dörfern bei Muskau brennen. Nichts malerischer und traulicher als dies. Von weitem schon sieht man, im Dunkel kommend, auf dem Heerde die flackernden Späne. Vor ihnen sass der Grossvater und wiegte den Enkel auf den Knieen, die alte Grossmutter und erzählte wundersame Geschichten. Vor ihnen auch sassen die Spinnmädchen, dichtgedrängt; denn je näher dem Feuer, desto lichter war der Platz. Zunächst der Vorsängerin die älteren Mädchen, die schon Jahre in der Spinnte waren. Weiter, wo das Licht matter, die jüngeren, hinten, fast im Halbdunkel die Neulinge, und auf die Bänke an der Wand drückten sich die Burschen. Wer aber dem Feuer zunächst sass, musste gut aufpassen, dass die Flamme nicht ausging, und rechtzeitig nachlegen. I, 239, 248.
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