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Der hungrige Grabe
Ein Bauer, Hanscho hatte einen Graben (grab) als Knecht, aber man konnte nicht erkennen, dass er ein Grabe war.1)
Wie Hanscho mal Pferde auf die Weide treiben liess, hat der grabe einem Bauer, Namens Hejna, ein Pferd halb aufgefressen, (cyły2) ) kus kónja zežrał).
Neben Mudra in Schleife wohnte Hejna. Zu dem, sagen andere, kam ein »Graf«, der hatte Hunger und wollte zu essen haben, aber Hejna wollte ihm nichts geben. Da wurde der Graf sehr verbost [böse, wüthend]. Nachher fuhr Hejna auf's Feld mit einem Wagen voll Mist. Da kam unterwegs der Graf, riss ihm das halbe Pferd weg und frass es auf.
Nach anderen hiess der Bauer Henach. Wie er mit dem Mistwagen auf seinen Acker fuhr, kam ein Grab, der hatte Hunger und hat ihm gleich das ganze Pferd aus dem Geschirre weggefressen. S.
Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 70.
