Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:wendischesvolksthum78-7

<<< zurück | Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte | weiter >>>

Die Schwursäule

Im Forstrevier Luknitz1), an der alten Poststrasse von Cibelle Cybalin nach Muskau steht eine alte Säule, darauf ist zu lesen 1748. Warum ist diese Säule gesetzt? – Ein Bauer in Braunsdorf Brunojce hatte einen anderen um ein Stück Acker betrogen. Deshalb trat das Gericht an Ort und Stelle zusammen und der Bauer musste schwören, dass er auf seinem Grund und Boden stände; vorher aber hatte er sich von seinem Acker Grund und Boden in die Stiefel gethan. Später kam sein falscher Schwur2) zu Tage und er wurde verurtheilt, die Säule zu setzen. Seit dieser Zeit scheucht es und nachts zu bestimmter Zeit schreit einer da um Hülfe. I, 185.

Mal fuhr jemand in einer Kutsche da vorbei und hat aus dem Kutschenfenster mitgeschrieen: »Ich werde Euch schon helfen«. Da ging aber der Lärm erst recht wieder los und die Kutsche ist fast zerschlagen worden, denn das ist der nocny jagaŕ3). S.

Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 63.


1)
In der Standesherrschaft Muskau.
2)
Redensart: Da kann ich ja gleich einen pudelnärrischen Schwur ablegen.
3)
»Chromy jagaŕ [lahmer Jäger], Hinka-Sehütze hiess im Mocholzer Revier ein Raubschütze [Wilddieb], der mal angeschossen worden war« [hinken: auf einem Fusse lahm sein].
sagen/wendischesvolksthum78-7.txt · Zuletzt geändert: von 127.0.0.1