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sagen:wendischesvolksthum78-11

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Die wilde Jagd

Es war eine Edelfrau, die hatte viel Unrecht gethan. Wie sie nun todt war, haben sie die Mägde mit den Schweinen fressen sehen. Da war auch ein Schäfer, der trieb immer Abends die Schafe auf einem Horste [wotŕow] zusammen. Wie er auch wieder nachts auf dem Horste war, kam die wilde Jagd und er hörte solches Getöse. Da fragte er einen aus der wilden Jagd, was das Getöse zu bedeuten hätte. Da sagte der: »Das ist die gnädige Frau, die hat viel Unrecht gethan und wird mit den »Hellehunden« gehetzt1). Heiligensee.

Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 64.


1)
»Beim Judenkirchof vorbei nach [der Stadt] Friesack hin reitet die wilde Jagd: Hundegebell, ein Mann ohne Kopf (Reiter) schleppt ein Frauenzimmer an den Beinen nach sich«. Friesack. – Die wilde Jagd, bei Soldin. – »Die wilde Jagd«; wenn sich einer erhängt, dann entsteht Sturm, dann treibt der Teufel die Seelen umher«. Langeböse (Hinterpommern). Bei Fürstenwalde heisst die wilde Jagd auch: die faule Magd [v.]. – I, 137. Wie ein Mann ging, sah er ein weisses Pferd und einen Reiter, beide ohne Kopf, über den Schlossberg kommen, der Reiter ging neben dem Pferd, bis an die Grenze vom Schlossberge. Dann war er verschwunden. Das war in der Nacht zum 1. Osterfeiertage. Dann kriegte der Mann einen Schreck, dass die Haare ihm steif wurden. Burg. – I, 300 (138). Der Todte sprach: »Der Mond scheint hell, die Todten reiten schnell. Feins Liebchen, graut dir nicht.« (Heiligensee?). – Am Schlosse in Tamsel (Cüstrin): Nachts ein Hund ohne Kopf, zog Wagen, darauf Kutscher o.K.; ebenda Kalb o.K. – »Wo das Schulhaus von Naundorf und Długi steht, haben früher viele einen Mann o.K. nachts gesehen, ebenso an der Teichschleuse bei Stradow. B. I, 130.
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