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sagen:wendischesvolksthum71

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Der Wichor

Der wichoŕ1), der Wirbelwind, sieht aus wie ein Trichter. S.

Durch den Aermel sieht man, es läuft ein Hase in demselben herum. Gablenz.

Er sieht aus wie eine blaue Keule. Jämlitz.

Mal ging eine alte Frau bei Rowno, so kam über das Wasser (oder Weg?) ein Wichor. Da drehte sich die Frau um und rief: »Wichoŕ, wichoŕ, swinjece gowno, Wichor, Wichor, Schweine [Sau-] Dreck«. Mühlrose.

Gewöhnlich geht der Wichor bei Schönheide denselben Weg bei einem Busche, kleinem Baume vorbei. [?] Schönheide.

Der Wichor fährt aus der Erde wie aus dem Wasser heraus. Durch wen er durchgeht, der wird krank. »Ty sy ten wichoŕ ćešeł, Du bist durch den Wichor durchgegangen und hast davon den Schreck bekommen,« sagen oft die klugen Frauen und Männer, wenn zu ihnen ein Kranker kommt. Es wächst aber auch ein Kraut, das heisst wichorowe zele2), Wirbelwindskraut, das soll man gegen den Schreck vom Wirbelwinde kochen, in ein Fass schütten und sich damit beräuchern, oder auch dasselbe trinken, oder sich damit waschen.

Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 46.


1)
Wichaŕ in Burg, auch z.B. in Bohsdorf (Spremberg); [wěcha ist: der Wisch, z.B. Strohwisch, als Zeichen dass man irgendwo nicht gehen soll.] – »Nach dem Krisewind (Kräusel-) hat einer mit dem Messer geworfen, dann kam ein Mann: »Das thu nicht wieder«. Heiligensee. I, 91, 92.
2)
»Es giebt zwei Arten, das männliche muskjace wichoŕowe zele und das »weibliche«, das heisst zanochc; to jo to ženscyne (das ist das weibliche). Das wird so genannt, weil es keine Stachel hat und nicht sticht«. Nur das erstere dient gegen den W. Schreck.
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