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Die Lutchen
»Požycćo mi štandaw, ja b'du piču butry předrysgaś, k nam budu witře hobnuchajncy1) pŕiś. Borgt mir eine Stampfe« [Butterfass],2) ich wer' ein wenig Butter durchdrücken [Buttern], zu uns werden morgen Freier kommen« hat mal ein alter Mann gesagt, der Butter machen und die Butterstampfe geborgt haben wollte (v). B.
(Die alten Steine [Steinbeile] haben die Lutchen als Hammer gehabt, denn damals waren noch keine Schmiede [g.v.] B.)
Die Thränennäpfchen, sylzowe nópki, ludowe nópki, l. gjernyški sind von den »Vor'schen«, te perejše, den »vorherschen« Heiden, póhany. S.
Neustadt. Ludkitöpfe hat man gefunden, sonst weiss niemand hier von Lutchen.
Boblitz. Im Sandberge wohnten die Lutchen,3) borgten Geschirr, und wenn sie es wieder brachten, brachten sie immer ein klein' Geschenk.
Zerre (Drětwa). Manche meinen, die šyldowskarada waren dasselbe wie die ludki; nach ihnen heisst noch die Mühle in Zerre: Šylda. Neustadt. I. 277.
Burg [bei Burghammer]. Die ludki kamen zu [Familie] Hanschko, borgten und sagten: »Dźěžu njedźěžu, kołac4) njekołac, Backfass Nichtbackfass [Unbackfass], Rundbrot Nichtrundbrot.« Sonst aber ist von ihnen fast nichts bekannt.
Lucknitz. In [bei] Lucknitz sollen sie unter einer Eiche gewohnt haben, unter die ein Fusssteig führte, wo sie ein- und ausgingen. Sie sind auch zu einem Bauer Birka gegangen und haben sich Backfässer und Butterfässer geborgt. Die brachten sie wieder und gaben dafür Buttermilch und Weichbrot. Jämlitz. I, 22.
Halbendorf. In H. haben Lutchen gewohnt. Da in der Gegend, wo die Windmühle stand, war früher ein Loch, da, wo die Leute die Steine herausgebuddelt haben. Sie haben auch Geld da gefunden, ich selbst auch. Da nun haben die Lutchen gewohnt. Sie waren gross wie Kinder von einem Jahre, wohnten in der Erde und gingen in rothen Kleidern; viele sind es nicht gewesen. Sie haben alles verkehrt gesprochen. Wenn sie ein Backfass zum Einsäuern des Brotes haben wollten, »My njechamy wašu ńedźěžu měć, wir möchten Eure Nichtbackfässchen haben. Beim Bauer Kneschk in Halbendorf sind sie immer hingekommen borgen. Wie die Glocken in Schleife läuteten, sind sie weggeblieben. S., Halbendorf.
Jämlitz. Bei J. »bei de Hundelužy« [Hundelug] ist ein runder Fleck mit Sumpfwasser. Da ging schräg ein Gang in die Erde, oben darauf war ein Stein gelegt. Da kamen die Lutchen heraus und borgten ein Backfass beim Bauer Meto, »Požycćo nam wašu ńedźěžu, borgt uns Euer Nichtbackfass.«
Gablenz. In G. kamen sie zum Bauer Nagorka5). »Požycćo nam wašu ńedźěžu,6) my b' dźemy wam třinjasć našego ńekołaca. Borgt uns Euer Nichtbackfass, wir werden Euch unser Nichtbrot7) bringen.« Sie borgten sich auch Butterfässer, »My comy měć waš ńebuterbas, my b' dźomy wam našeje ńebutřanki dać. Wir wollen [möchten] Euer Nichtbutterfass haben, wir werden Euch unsre Nichtbuttermilch geben.« Sie waren ganz roth, sollen auch weiss gegangen sein. Vor Hunden hatten sie Furcht, zu denen sagten [nannten] sie: »Wušćěrack.« Kamen sie zu dem Bauer, so sagten sie: »My se bójimy wašego wušćěracka, wir fürchten uns vor Eurem Wuschtscherrazk«. Vergl. I. 278. Anm. 1.
Halbendorf. Auf dem Kirchhofe in H. haben früher die ludki gewohnt. Der Berg heisst noch jetzt »běricowa górka, Schinderberg«; früher hat es da auch immer »geschecht« [gescheucht, gespuckt]. Vom Berge gingen die Lutchen immer nach Halbendorf, sich etwas zu borgen, kamen zu Piotroz und sagten, sie würden für das Borgen Kuchen wieder bringen.
Mal gaben sie Kuchen und sagten: Cyły b'dźomy wam dać a cyły derićo wóstajć, ganz werden wir [ihn] Euch geben und ganz sollt [Ihr ihn] lassen.« S.
Schönhaide, Graustein. Ludkowe doły, »Lutchenlöcher«, heissen zwei Gruben8) und eine grössere Mulde in der Kiefernhaide von Schönhaide (auf der babina góra) nach der Grenze von Schönhaide und Graustein hin.
In Bohsdorf haben die Lutchen in der Erde gewohnt. »Požycćo mě wašu ńeźěžku, ja cu wam ńekołack upjac. Borgt mir Euer Nichtbackfässchen, ich will Euch ein Nichtbrötchen backen.«
Rohne, Schleife. Bei der Eisenbahn zwischen Rohne und Schleife ist die Schleifer Schmala, smała. Wenn nämlich früher die Kiefernhaide so hoch war, dass sie [die Bäumchen, die »Schonung«] dem Reiter an die Sporen »langte« [reichte], so gehörte das Holz der Herrschaft. War es aber nicht so hoch, reichte es nicht bis an die Sporen, so gehörte es der Gemeinde als Hutung. Deshalb brannten die Leute alle paar Jahre die Kiefern ab, darum ist der Name smala. Auf der Schleifer smala nun sind drei9) Gruben, die »Lutchenlöcher« ludkowe dźěry etwa 10 Fuss lang und 4 Fuss tief; in der einen steht eine Birke, in der andern eine Fichte. S.
Die ludki10) lebten für sich. Bei Žyck? holten sie immer ein Backfass. Wenn die Hunde bellten, sagten sie: »My sy bojmy tog' wašog' wušćěricka, wir fürchten uns vor Eurem Hunde«. Dann brachten sie dem Bauer Kuchen. S.
Proschim. Die ludki bei P. haben verkehrt gesprochen. »Łopatka ńe-łopatka, Brotschieber nicht Brotschieber«. Proschim.
Bloischdorf. In B. haben die Lutchen in der Erde gewohnt.
Babina góra, »Babenberg«. Die b.G. [Weiberberg] ist ein Höhenzug zwischen Schleife und Schönheide. Da wohnten łudki. »Dajćo nam wašu ńedźěžu, my b'źomy wam dać našych ńekołacow. Gebt uns unser Nichtbackfass, wir werden [wollen] Euch unsere Nichtbrötchen geben.« S.
Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 169-171.
