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Der fürigt Muhn im Seeställche n der Besoffe!
Douge in Seeställche da ihs lang Ziht e fürigter Muhn om gegange. Das wair enner, der bei sin Lahwe doirt erom de Grenzstein verrockt hatt, a bann des Awwets Lüht doirt eruff gegange kuhme, da gihuk e allemal doirt eröm, u hatt en Grenzstein in Henge, u suhk: „bu seß ich en hin? bu setz ich en hin!„ — Wittersch1) thet e kem Mensche epppes, u de Lüht fuirte sich au zuleßt net meh für en, u gihuke2) stell3) un en verbei, ließen en mit sie Grenzstein steh, buh e stuhn. Bann se awwer verbei wairn, da fihuke allemahl un ze wimmern. Emahl, da kuhm enner von der Grummich4) eruff geduppert, der hatt e wenk ze tief ins Brahntewihnsglas geguckt. U bih e doirt bein Seeställche verbei gewauft5) kuhm, da gihnk au der fürigt Muhn miht sin Grenzstein doirt erdm. Wihl en gerad in Wehk wair, ze blehb der Besoffe e Fleckche stinn6), u stahlt7) sich fest off de Bein, u guckt den fürigte Muhn zu, bih der miht sinn Grenzstein doirt eröm gihnk, u ümmer suhk; „bu stell ich en hin? bu stell ich en nert8) hin?“ Endlich, bih e s'n9) mühd wair, da hob e in sinner Besoffeheit un, u suhk zum fürige Muhn: „du dommer Jerz!10) banns de net weißt, bu d'en föllst hiestell, da stell en dach widder hie, bu’s den her kreht hast!“ Da hob der fürigt Muhn un: off das Wuirt11) hätt e scho honnert u so u so vill Jaihr gewairt't, daß's eis hätt sollt zu en sai. He hett' en allewihl derlohst12), u söll en der liebe Gott au e fröhlich Stonn13) derfür gah. Suhk's, u verschwonge wair e, u - si Lahte hat fenner der Ziht kei Mensch den fürigte Muhn in T Seeställche widder gestehnt.
Quellen:
- Ludwig Bechstein - Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes, Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung
