<<< zurück | Die Sagen des Kiffhäusers und der Güldenen Aue... | weiter >>>
Die Hunde von Wenkheim
Das Schloß Altenstein war geraume Zeit in dem Besitz einer jetzt ausgestorbenen adeligen Familie, welche sich die Hund von Wenkheim schrieb. Darüber wird noch von den Bewohnern der Umgegend folgende Geschlechtssage erzählt: Es wohnte auf dem Schloß eine gar sittenstrenge Edelfrau und da es sich einst zutrug, daß ein armes Weib mit Drillingen niederkam, so glaubte die Dame, jenes Weib habe sich arg vergangen, und ließ sie wegen Ehebruchs hinrichten. Auf der Richtstätte betheuerte das Weib noch seine Unschuld und sprach den Fluch aus: Mögest Du, daß ich unschuldig sterbe, an Dir selbst erfahren, und statt mit Dreien, mit dreizehn Kindern auf einmal vor Deinem richter stehen! – Bald darauf fühlte sich die Gräfin gesegneten Leibes, und gebar in Abwesenheit ihres Eheherrn dreizehn Knäblein, die zwar gar klein waren, aber doch lebend und wohlgestaltet. Nun schämte und entsetzte sich die Edelfrau, fürchtete ihres Gemahls Zorn und der Welt strenges Urtheil, und gebot ihrer Dienerin, zwölfe der Kinder heimlich in das Wasser zu tragen, und nur der Dreizehnte wurde behalten. Als nun aber die Magd das grausame Gebot zu vollsiehen ging, begegnete ihr der unversehens heimkehrende Ritter, und fragte, was sie trüge? Mit Beben erwiederte diese: Junge Hunde, der Ritter aber verlangte diese zu sehen, ob nicht vielleicht eines der Hündlein zur Aufzucht tauge, und entdeckte die Unthat. Er gebot nun der Magd tiefes Schweigen und that die Kleinen zu einem Köhler, wo er sie erziehen ließ, bis sie das zwölfte Jahr erreicht hatten. Als nun die Edeldame den Geburtstag ihres Sohnes festlich zu begehen gedachte, fragte sie der Graf: Welche Strafe verdient eine Mutter, die ihr neugebornes Knäblein gleich einem jungen Hund ins Wasser tragen und ersäufen läßt? – Die Frau erschrak, doch glaubte sie nicht, daß Ihre That entdeckt sei, und antwortete: Solche Frau müßte durch das Feuer vom Leben zum Tod gebracht werden. Weib! donnerte da der Ritter, indem er die Thüre öffnete und die überein gekleideten Knaben eintreten hieß: so muß man Dich zwölfmal verbrennen! Sieh hier Deine jungen Hunde! Wahrlich, das sol hinfort ihr Name sein! – Die Dame sank zu den Füßen ihres Gatten, der das selbstgefällte Urheil jedoch nicht an ihr vollziehen, sondern sie in einem Kloster bereuen und büßen ließ. So ist das Geschlecht derer von Hund entstanden. Der dreizehnte Knabe aber, welcher den Beinamen seiner Brüder nicht führte, soll erbenlos gestorben sein. 1)
Quellen:
- Ludwig Bechstein - Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes, Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung, Band IV S. 199-201
