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Die Ringelsteine
Tief im Walde seitwärts des Ortes Waldfisch haben zwei Burgen gelegen, Alt- und Neu-Ringelstein genannt. Raubritter sollen dort gehaust haben, und manche Sage wird von diesen Burgen erzählt. Die Weinstraße, welche dort aus dem Thüringerwalde herüber nach Franken und nahe an diesen Schlössern vorbeiführte, gab Anlaß genug, die reisenden Nürnberger Kaufleute zu berauben. Rudolph von Habsburg soll beide Burgen haben zerstören lassen, von denen man kaum noch die Stätten gewahrt. Auch dort soll eine verwünschte Jungfrau sich sehen lassen. Einst hatte der Raubritter ein Mädchen aus Salzungen lieb gewonnen, und entführt. Durch eine unterirdische Höhle gelangte man in die Burg, und die Räuber schlugen den Pferden die Hufeisen verkehrt auf, ihre Spur zu verbergen. Dem Mädchen gefiel es nicht in der Räuberburg, obwohl sie sich so stellte, und es dahin brachte, daß sie eines Tages mitgenommen wurde auf einen Ritt über den Streifling, wie noch der Weg heißt, auf dem nach der Weinstraße zu gestreift wurde. Da gab die Maid ihrem Pferd die Sporn, und wandte es rechts binab, nach Salzungen zu, reitend auf Tod und Leben. Die Räuber jagten ihr nach, allen voran der Anführer. Er ritt gut, das fliehende Mädchen noch besser, sie erreichte ihr Aelternhaus, sie ritt spornstreichs hinein, eben als ihr Reiter sie eingeholt hatte; cinen wüthenden Schwertstreich führte er nach ihr, die Klinge fuhr in den Thürbalken und brach. Der Räuber ward ergriffen und hingerichtet.
Quellen:
- Ludwig Bechstein - Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes, Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung
