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Die Freibüchse
Nach Steinbach kam einst ein fremder Mann, wurde dort krank und lag lange Zeit, doch ward er gut gepflegt, und sprach dankend zu seinen Wirthen, nun wolle er ihnen auch einen recht feisten Hirsch verschaffen, sie möchten nur mit ihm gehen. Er führte sie hinauf in das Birkicht, und bedeutete sie dort, sie möchten stille sein und stehen bleiben, sobald er seine Mütze fallen lasse. Dieß geschah bald darauf, er stand, nahm die Büchse und schoß. Keiner sah ein Wild, und da fragten ihn die Begleiter, warum er geschossen habe? Er antwortete: Der Hirsch liegt! und führte sie weit, weit in das dichteste Gehölz, und dort lag der Hirsch, und war gut auf das Blatt getroffen.
Später hat dieser Mann Dienste genommen als Jägerbursche, und das war eine gute Stelle für ihn, denn er schoß Rehe und Hirsche, soweit sie auch waren, und traf sie noch, wenn Niemand sie sah. Hinter dem Wild sprang er her, wenn er Lust hatte, und schoß es im währenden Laufen. Niemals fehlte er, weil er eine Freiflinte hatte.
Quellen:
- Ludwig Bechstein - Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes, Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung
