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sagen:tss4307

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Wüstung Atterode

Hinter dem alten Schloß Liebenstein liegt eine Wüstung, Atterode genannt, von der die Umwohner überaus viel zu erzählen wissen, was zum Theil auch Anderorts auf ähnliche Weise berichtet wird, zum Theil aber auch als selbstständige Lokalsage sich behauptet. Es stand ein Dorf daselbst, das ist unbestritten, noch erblickt man einen Brunnen, der Kellersborn genannt, noch zeigt man da, wo sich bei einer italienischen Pappel der Wiesenpfad emporzieht, die Stelle, wo der Kirchhof gelegen. Das Dorf soll untergegangen sein, andre sagen, im dreißigjährigen Krieg sei es zerstört worden. Viele meinen, daß nach des Dorfes Zerstörung die Einwohner Steinbach erbaut hätten, einige derselben seien aber nach Liebenstein, andre nach Schweina gezogen. Auf eine große Glocke, welche die Soldaten vergraben hatten, die aber nachher ein Schwein in der Wüstung ausgrub, machten daher die drei genannten Gemeinden Anspruch, und sie fiel Schweina zu, weil ein blinder Gaul aus diesem Ort, als der gewöhnlich von der Sage des Volkes in solchen Fällen namhaft gemachte Träger der Entscheidung, seinen Schritt, als er die Glocke zog, nach Schweina lenkte. Dort soll die Glocke noch hängen und täglich geläutet werden; auch soll der jedesmalige Pfarrer noch eine Getraideaccidenz als Vikar von Atterode aus Waltershausen beziehen.

Ueber diese Glocke hat es zwischen den Gemeinden Steinbach und Schweina gar eine lange und heftige Erbitterung gegeben, so daß es fast immer, wo irgend Steinbacher und Schweinaer zusammen kamen, die blutigsten Schläge gab; und es ist kaum 20 Jahre her, daß solcher Streit und Hader aufgehört. Man hat geglaubt, die Hälfte des Glockenmetalles sei Silber.

An der Stätte der ehemaligen Atteroder Kirche wollen Viele vor Zeiten die Gestalt eines Mönchs gesehen haben, und einige Beherzt wagten es, dort einzuschlagen und nach Schätzen zu suchen. Diese wurden durch ein entsetzliches Brüllen und eine Spukgestalt erschreckt und auch spätere Schatzgräber sind auf gleiche Weise geschreckt worden, so daß es Niemand späterhin gewagt hat, dort nachzugräben.

Um den Kellerborn haben viele Leute dort zum öftern eine weiße Jungfrau gesehen, die bald Wäsche, bald Waizen im Mondschein trocknete. Von Wunderblumen daselbst giebt es vielerlei Sagen. In der Nähe im Walde ist ein Gründchen, das Postgründchen geheißen, dort soll vor Alters, als Atterode noch stand, die Post hindurchgegangen sein.

Quellen:


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