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sagen:tss3376

<<< | Sagen aus Thüringens Vorzeit, den drei Gleichen, dem Schneekopf und dem thüringischen Henneberg | >>>

Die Glocke vom Gottesfeld

Am südlichen Abhang des hohen Adlerberges breitet sich eine einsame Wiesenfläche aus, das Gottesfeld genannt. Dort droben lag einst eine Stadt, gottlos und lasterhaft, welche die Hand des Herrn von der Erde tilgte. Mit allen Bewohnern ist sie versunken. Lange Zeit nachher wühlte ein wildes Schwein die Erde auf und wühlte eine Glocke an das Tageslicht. Ein Hirte fand sie und zeigte den Fund an. Darauf wurde die Glocke vollends erhoben und nach Schleusingen gefahren; im Thurm gab sie beim erstenmal Läuten einen entsetzlich schauerlichen Ton, und beim dritten Schlag zersprang sie. Hierauf wurde sie umgegossen, aber ihr Schall war wieder derselbe, und klang, als ob sie höhnend rief: Sau aus! Sau aus! dann zersprang sie wieder, und so dreimal, und jedesmal war der Ton gleich schauerlich und jedesmal zersprang sie, als ob sie, die dem Schoos der Nacht entstammte, und an der der Fluch Gottes haftete, nicht würdig sei, ihm zur Ehre zu erklingen.

Quellen:


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