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Von der Osterburg
Nicht weit von dem eigenthümlichen engen Felsenpaß im Werrathal, das Nadelöhr genannt, erhebt sich die Ruine der Osterburg über dem Bergwald, welcher der Hain genannt wird. Noch sieht man feste Mauern und einen hohen Wartthurm. Von den verfallenen Kellern der Burg geht die Sage, daß darinnen noch uralte. Fässer voll Weines lägen, deren Holz versteinert sei.
Einst wohnte auf der Osterburg ein tapferer Burgmann, Diez Kieselin, dem ein Graf von Henneberg die Burg berannte. Er vertheidigte sie mit seinem Volk gar wacker, und da es an Steinen gebrach, warfen die Reisigen mit harten Kuhkäsen auf die Angreifer und trieben sie von dannen.
Von der steilen Höhe des das Nadelöhr einschließenden Felsenkessels ist einst ein Reiter herabgesprengt, aber sammt dem Pferd nicht wieder aufgestanden.
Quellen:
- Ludwig Bechstein - Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes, Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung
