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Die Hexe in Belrieth
In dem Dorfe Belrieth im Werrathal, das seinen Namen vom Gößen Bel oder Bil haben soll, lebte einst eine alte Hexe. Diese hatte eine Tochter, welche von einem jungen Jäger geliebt wurde, aber weil sie arm, so ward ihr der Liebhaber treulos und freite eines reichen Bauern Tochter. Da nahm die alte Hexe aus Rache ein Erbschloß, ging in die Kirche, als jenes Paar getraut wurde, schnappte das Schloß zu, als gerade der Pfarrer das Kreuz über sie machte, und warf das Schloß in einen tiefen Brunnen. Von Stund an konnten die Neuverheiratheteten einander nicht leiden und gar nicht mehr ansehen, und war so großer Haß zwischen beiden, daß der Mann von dannen ging und böslich seine Frau verließ.
Als nun die Sterbestunde der alten bösen Hexe kam, bereute sie ihre Missethat und bekannte sie. Da ging die Tochter hin zum Brunnen und ruhte nicht eher, bis sie das ganz verrostete Schloß herauffischte, fand es auch und brachte es mit vieler Mühe auf. Es war aber nahe daran, daß die Ehegatten von einander geschieden werden sollten; wie nun das Schloß wieder aufgethan war, that sich auch die verschlossen gewesene Liebe wieder auf, der Mann kehrte zu seiner Frau zurück, und die Alte starb getröstet.
Quellen:
- Ludwig Bechstein - Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes, Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung
