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sagen:tss3357

<<< | Sagen aus Thüringens Vorzeit, den drei Gleichen, dem Schneekopf und dem thüringischen Henneberg | >>>

Vom Grimmenthal

Wo sich vom Dorf Einhausen das von der Hasel durchflossene Thal über Ellingshausen nach Schwarza hin zieht, nannte man es ehedem das grüne Thal, wegen seiner Grüne. Dort hat am Ausgang des grünen Thales in das Thal der Werra ein alter Bet- und Opferstock mit dem Bilde der Jungfrau Maria gestanden, unter einer mächtig großen Linde, vom Gestripp umwachsen und fast ganz vergessen. Nun trug sich's zu, daß ein Rittersmann, Heinz Teufel, der in Obermaßfeld wohnte, auf einem Jagdritt von schwerer Leibesschwachheit überfallen wurde, sich zu dem Bilde schleppte und dort um Hülfe flehte. Und da sein Geprest alsbald ein Ende nahm, schrieb er es dem Bilde zu, verkündete dessen Wunderkraft, machte eine fromme Stiftung und baute eine Kapelle über das Holzbild. Darauf erhob sich eine große Wallfahrt, und der Ruf des wunderthätigen Marienbildes breitete sich nach allen Seiten aus, so daß die Menschen aus allen Landen schaarenweise gezogen kamen, Lahme, Blinde, Taube, Preßhafte aller Art, davon es vielen im Traum vorgekommen war, sie würden im Grimmenthal, wie man die Wunderstätte im grünen Thal hernach nannte, Hülfe und Genesung finden. Und Vielen half der feste Glaube. Darum baute hernach der Fürstgraf Wilhelm von Henneberg an den Ort eine prächtige Wallfahrtkirche. Viele Wunder that die Mutter Gottes im Grimmenthal, davon nur eins: In Meiningen saßen drei Gefangene in harter Verstrickung im großen Burgthurm, die riefen die Maria vom Grimmenthal an, und siehe, sie erschien ihnen und erledigte sie ihres Gefängnisses, daß sie ohne menschliche Hilfe frei und ledig gingen, diese nahmen alsbald ihren Weg nach Grimmenthal, prießen und dankten. Es sind in Grimmenthal in einem Jahr 44,000 Waller gewesen, und es klingt wunderbar, wenn man ließt, daß 1503 zur Pfingstzeit auch gegen 300 mohrische Ritter, welche durch Schlesien hergezogen kamen, dort ihre Andacht verrichteten. Doctor Luther eiferte sehr gegen diese Wallfahrt, sprach und schrieb von ihr: Daher ist kommen der große Betrug des Teufels mit dem Wallfahrten in das Grimmenthal, da die Leute verblendet, als wären sie toll und thöricht, Knechte und Mägde, Hirten, Weiber, ihren Beruf ließen anstehen und liefen dahin. Ist recht Grimmenthal, vallis furoris. – Und bald nach der Reformation nahm die Wallfahrt ein Ende. Jetzt steht an der alten Wallfahrtstätte ein schönes Hospital, und die Grimmenthalslinde, darunter das Muttergottesbild stand, grünt und blüht noch in jedem Sommer. Sie mißt 36 Fuß im Umfang.

Quellen:


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