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Der Mönchskopf im Kloster
In Meiningen war ein Minoritenkloster, von welchem man sich viel von geheimen und unterirdischen Gängen erzählt, wie das fast überall bei Klöstern der Fall ist; ein Gang soll in die Stadtkirche geführt haben, ein anderer sogar nach dem uralten, ein und eine halbe Stunde von der Stadt entlegenen Kloster Rohr, wo Benedictinernonnen wohnten, gegangen sein; dieser hätte unter Wasser und einem steilen Felsenberge geführt werden müssen.
In dem obern Theil des Klostergebäudes, der noch steht, gewahrt man über dem Eingang einer Küche einen in Stein ausgehauenen Menschenkopf. Ein Mönch des Klosters unterhielt verbotenen Umgang mit einer Bürgersfrau, die da wohnte, wo später das herrschaftliche Kohlenhäuschen stand, und besuchte sie zur Mitternachtzeit, wo er den Weg durch die Klosterkirche nahm. Die Obern schöpften Verdacht, der Mönch wurde eingekerkert, gefoltert, bekannte und bat flehentlich um Gnade. Diese fand er nun nicht, sondern er wurde in seiner Zelle eingemauert, und zum Gedächtniß der steinerne Kopf angebracht. Bisweilen soll er sich noch spukend sehen lassen. Auch beim Abbruch des Kohlenhauses wurde ein steinerner Kopf in der Mauer gefunden.
Quellen:
- Ludwig Bechstein - Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes, Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung
