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Ebertshäuser Schloß
Im (jetzt unbewohnten) Edelhof zu Ebertshausen ist es gar nicht geheuer, ein Mann wandelt darin, Viele sahen ihn; bisweilen stand er in der Thüre, und einige Knaben, die im Garten Stachelbeeren naschten, wurden ihn gewahr, ein Licht durch den Garten tragend, über den Steg, zum Nachbarshause.
Die Nachbarn haben auch manchmal das Haus voller Lichter gesehen, ohne daß jemand Lebendes darin war, und seltsames Geräusch vernommen. Eine Magd hörte zur Nacht die Fegmühle in der Scheuer dreimal von selbst gehen, sie fürchtete sich, und dachte, schnurre nur zu.
Manchmal geht es in den Stuben herum, zischt und rumort, schlägt auf die Tische, man will es auch beten gehört haben. Die Magd, die im Hause schlief, sah einmal den Mann in ihre Kammer treten, fürchtete sich sehr, doch geschah ihr nichts Leides; als er eine Weile da gestanden, ward er kleiner und verschwand. Ebertshausen soll die älteste Kirche in ganz Henneberg haben, in welche vor undenklichen Zeiten sogar die Einwohner von Suhl eingepfarrt gewesen.
Quellen:
- Ludwig Bechstein - Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes, Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung
