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sagen:tss3323

<<< | Sagen aus Thüringens Vorzeit, den drei Gleichen, dem Schneekopf und dem thüringischen Henneberg | >>>

Die todten Männer

Vom Dorfe Albrechts nordöstlich, auf dem Weg über den steilen Berg, welcher der Bock genannt wird, da wo sich die Wege von Suhl nach Mehlis und Zella und von Albrechts dorthin freuzen, nennt man es die todten Männer. Davon geht diese Sage: Vor Zeiten ging die Landstraße nach Franken über den Wald nach Zella, wendete dort, führte über den Bock nach Heinrichs, am dortigen Rathhaus vorbei und hatte ihren Zug den Kirchberg hinauf nach Themar. Nun grassirte einmal eine sehr heftige, pestartige Krankheit im Thüringer Lande, zumal über dem Wald, und die Bewohner des disseitigen Gebirges schwebten in großer Angst, daß die Krankheit eingeschleppt werden möge, sperrten deßhalb die Wege, und zumal diese Hauptstraße, und verboten, daß ein Ausländer sie befahre. Demohngeachtet wagten es zwei Fuhrleute, den Weg zu befahren, und dachten, den Durchgang mit List zu gewinnen. Aber die Wächter entdeckten sie und griffen sie an der Stelle an, wo die bezeichneten Wege sich theilen. Dort ließen sie ihr Geschirr im Stich und suchten das Weite. Und als man nun die Fracht untersuchte, fand man auf dem Wagen zwei todte Männer, welche an der gefürchteten Krankheit gestorben waren, und hielt dafür, daß es die Herren der Geschirre gewesen, die von den Knechten hätten in die Heimath gebracht werden sollen. Darauf wurden die todten Männer dort begraben, und Schiff und Geschirr verbrannt, auch sagen Einige, daß die Entflohenen eingeholt und zur Strafe lebendig verbrannt worden seien.

Zum Andenken nannte man den Bezirk die todten Männer, auch wurden zwei Steine dorthin gesezt, davon aber nur noch einer steht, mit verwitterter Schrift, davon nur noch so viel lesbar: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn.

Quellen:


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