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sagen:tss3316

<<< | Sagen aus Thüringens Vorzeit, den drei Gleichen, dem Schneekopf und dem thüringischen Henneberg | >>>

Die Jungfrau am rothen Stein

Rechts von der Hochstraße nach Oberhof, ehe man nach dem sogenannten Oberland kommt, liegt im nahen Felde am Wege ein rothfarbiger Porphyrfels, der rothe Stein genannt, darauf oben ein wilder Rosenstrauch wächst, und unten daneben entspringt ein kleines Bächlein, das rothe Bächel. Davon geht die allgemeine Sage, daß in dem Felsklumpen eine Jungfrau verzaubert ist; viele Leute wollen sie auf dem Stein haben sitzen sehen, Andre behaupten, sie gehe bisweilen, etwa alle 7 Jahre, herab, überschreite das Bächlein, oder wasche sich darin, und gehe dann zurück. Einst ging ein Mann des Wegs dahin, da hörte er es aus dem Stein nießen, sah aber nichts, doch rief er: Gott helf! Das geschah noch fünfmal hinter einander. Als es aber zum siebenten Mal nießte, da wurde er ungeduldig und rief ärgerlich: Ei Du verdammte Hexe laß mich in Frieden und habe ehrliche Leute nicht zum Narren! und ging davon. Da hörte er eine klagende Stimme aus dem Stein, rufend: O hättest Du mir doch auch das letzte Mal gewünscht, daß Gott mir helfe, so hätte er mir geholfen und Du mich erlöst, nun muß ich im Stein bleiben bis zum jüngsten Tag. – So ist es auch geschehen, daß eines Tages ein Hochzeitzug von dem Oberlande nach der Stadt ging, Musik voran, jubelnd und lärmend, am Stein und rothen Bächlein vorbei, da hörte man eine Stimme aus dem Stein rufen: Heute roth, übers Jahr todt! – Und ein Jahr darauf war die junge Frau todt. Seidem schweigt an jener berufenen Stelle jeder Hochzeitzug, er mag von oben nach der Stadt, oder aus der Stadt hinauf zum fröhlichen Mann, sich dort zu vergnügen, kommen, und wandelt dort still vorüber.

Quellen:


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