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sagen:tss3219

<<< | Sagen aus Thüringens Vorzeit, den drei Gleichen, dem Schneekopf und dem thüringischen Henneberg | >>>

Der Jungfernsprung

Aus dem Götzenthal gelangt man nach Arnstadt zu in das minder enge Jonasthal. Dort gipfelt sich eine wohl 100 Fuß hohe senkrechte Felsenwand empor, welche den Namen der Jungfernsprung führt. Einst verfolgte ein zügelloser Mann zu Roß ein unschuldiges Mägdlein, um sie zu seinem Willen zu zwingen. Die Jungfrau floh odemlos über das Feld, immer näher kam ihr der Verfolger, als sie sich mit einem Male an dem furchtbar tiefen Abhang und ohne weitern rettenden Ausweg sah. Vor ihr drohte gewisser Tod, hinter ihr gewisse Schande, und entschlossen wählte sie den ersten, indem sie ihre Seele Gott und seinen Engeln befahl. Sie sprang hinab, im Augenblick, als schon der Verfolger die bübische Hand nach seiner Beute ausstreckte. Als er sah, daß sie seinen Augen entschwand, spornte er wild sein sich entsetzt bäumendes Roß und sprengte ihr nach. Zerschmettert sammt seinem Roß hauchte er in der Thaltiefe die Seele aus; aber über der Jungfrau hatten schirmende Engel die rettenden Hände gehalten, sie war unverletzt und sanft niedergeschwebt und kniete zitternd und dem Himmel für ihre Rettung dankend im Grunde. Den Fels nannte man bis auf den heutigen Tag den Jungfernsprung, und der Schönebrunn am Eingang des Jonasthales ist früher der Jungfernbrunnen genannt worden.

Quellen:


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