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Von dem Schlosse Tenneberg
Ueber Waltershausen erhebt sich das alte und berühmte Schloß Tenneberg, darauf hat sich viel Sonderliches in alten Zeiten zugetragen. Den Namen soll es von den Tannen haben, mit denen der Burgberg bestanden war und zum Theil noch ist. Als Landgraf Albrecht der Unartige sich mit seiner Kebsin Kunne von Isenberg ehelich zusammen geben ließ, nachdem seine unglückliche erste Gattin zu Frankfurt gestorben war, nahm dieses Weib ihren erstgebornen Sohn. Apitz unter ihren Mantel während der Trauung, damit er einen ehrlichen Namen gewinne. Auf diese Weise wurde mun Apitz ein rechter Sohn des Landgrafen, und dieser übergab ihm das Schloß und das Gericht Lenneberg, das geschah im Jahr 1288. Kaum saß Apitz auf dem festen Schloß, so wollte er auch feine ritterliche Mannheit schauen lassen, streifte durch die Dörfer, die dem Kloster Reinhardsbrunn zuständig waren, und trieb den Bauern das Vich von dannen, um seine Burg damit zu speisen. Als der Convent zu Reinhardsbrunn das vernahm, sammelten sich beide, Mönche und Laien mit allem ihrem Gesinde und mit den Bauern aus ihren Dörfern, und nahmen den Räubern das Vich mit Gewalt wieder ab. Dabei geschah es, daß ein Converse des Klosters also grimmig war, daß er den Landgrafensohn mit einer Heugabel beinahe niedergestochen, wenn nicht ein Mönch ihn mit Bitten davon abgehalten hätte. Da solches dem Ritter Apitz widerfahren war, fuhr er stracks gen Wartburg und klagte es seinem Vater mit weinens der Stimme, worauf der Landgraf dem Vogt Heinrich von Milo, den er zu Gotha hatte, Befehl zukommen ließ, er solle dem Kloster und dessen Dörfern und Höfen alles Vich, und den Bauern alle ihre Habe nehmen, so viel und was sie immer hätten. So graufam war Landgraf Albrecht gegen Land und Beute. Der Vogt von Milo aber hatte einen Sohn im Kloster, dem ließ er heimlich Botschaft bringen von dem harten Befehl seines Herrn, und als er hierauf selbst kam mit des, Landgrafen Dienstmannen, fanden sie weder in den Feldern, noch in den Dörfern Vieh und Habe.
Quellen:
- Ludwig Bechstein - Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes, Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung
