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sagen:tss2341

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Die Prinzessin im Wittgenstein

Mit der Prinzessin in der Felswand des Wittgenstein soll es nach alter Leute Erzählung eigentlich folgende Bewandnis haben. Sie war eines Fürsten Tochter und liebte einen Ritter; der Vater mißbilligte diese Neigung, und wollte sie nur mit einem ihr ebenbürtigen Mann vermählen; deshalb verabredete das Liebespaar eine Entführung.

Es mochte aber nicht vorsichtig genug dabei zu Werke gegangen worden sein, denn der strenge Vater erfuhr den Plan der Liebenden, lauerte dem Ritter auf, als er bei nächtlicher Stille nahte, sein Abenteuer auszuführen, und erschlug ihn. Die Leiche ließ er sodann seiner Tochter, die sehnsuchtsvoll des Geliebten harrte, zuführen. Darüber starb die Prinzessin auf der Stelle vor Schreck und Herzeleid, und von derselben Zeit spuckten beide Liebende auf grauenhafte Weise. Die Prinzessin wanderte im ganzen Schloß, und der Ritter ritt auf kohlschwarzem Pferde mit klaffender Wunde in der Stunde der Mitternacht gegen des Schloß heran.

Der Vater ließ nun Geisterbanner kommen, die man in manchem Thüringischen Ort Popelsträger nennt, die bannten den Ritter auf den Rittersberg, und die Prinzessin in den Wittgenstein, der nahe bei jenem liegt; doch die Liebenden können nicht zu einander; auf dem Rittersberg haben Leute den Ritter auf schwarzem Roß spuckhaft reiten sehen.

Quellen:


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