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Der spukende Pfarrer
Die Geschichte vom Pfarrer Feuchter weiß in der Ruhl jedes Kind. Er wohnte auf der Eisenacher Seite, und es starb ihm seine Frau. Da vermaß er sich hoch und theuer, nie wieder zu heirathen, und er wolle, wenn er es doch wieder thäte, das Reich Gottes nicht schauen. Er heirathete aber demohngeachter wieder, und bald darauf starb er, und nun spukte er ganz gräulich in seinem Haus, in der Kirche, auf dem Gottesacker, ja überall durch die ganze Ruhl. Jesuiten kamen den Pfarrberg herunter und fragten nach seinem Hause; mit dem Pfarrer Brandenburg, auf der Gothaischen Seite, kamen sie herüber und gingen zusammen mit der Wittwe in die Kirche, wo sie allerlei Ceremonien anstellten. Darauf mußte die Wittwe ihren verstorbenen Mann bei seinem Laufnamen rufen, da erschien der Pfarrer auf der Empore, sehr zornig und ungebehrdig. Mit harten Beschwörungen wurde der Geist endlich genöthigt, herabzukommen und in einen Sack zu kriechen. Zuvor wollte er seiner Frau zum Abschied die Hand reichen, aber sie, gewarnt durch die Erorzisten, hielt ihm nur ihr Sacktuch hin. Der Geist erfaßte es, und alsbald loderte es in Flammen auf. Sodann wurde er in dem Sack fortgetragen, in die Gallert, so heißt ein Thal nach Etterwinden zu. Dort hat er aber wieder so arg gespukt, sich denen, die von Salzungen und andern nahen Orten nach Eisenach gingen aufgehockt, Maulschellen gegeben und andres mehr, daß es nicht auszuhalten war, so daß noch einmal die Teufelsbanner kommen mußten. Diese trugen und banuten ihn nunmehr fest in das alte Schloß Liebenstein, wo er sich ruhig verhält, doch soll man ihn bisweilen dort strickend erblicken.
Quellen:
- Ludwig Bechstein - Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes, Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung
