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Der Thüringer Ursprung und Name
Im Volk ist fast alle Mähr verstummt, woher die Väter der Frühzeit gekommen, desto mehr haben die Gelehrten darüber gestritten. Als Sage und Wahn, von den meisten verworfen, wurde folgendes in Schriften aufbewahrt:
Alexander, der große Macedonier, war gestorben, und seine Gewaltigen stritten um die Herrschaft gegen einander und schädigten Land und Volk. Da wanderte ein Stamm aus, dessen Glieder sich Perreoli nannten, und endlich an die See gelangten. Sie fuhren über Meer, und weil sie des Schiffens unkundig waren, kamen viele um, oder wurden zerstreut und vom Sturm verschlagen nach Preußen und Reußen (Rußland). Eine Schaar gelangte auf zwölf Schiffen in die Gegend des heutigen Lübeck. Dort saßen die Thyrigeten oder Theuern Gothen, ein friedliches Volk, nicht gewohnt der Kämpfe und Schlachten. Dieses Volk griffen jene Kieselinge alsbald an und vertrieben es von seinen Wohnstädten, und weil seine Männer sich thörigt zum Streit stellten, nannten sie das Volk Thörlinger, dieses aber nannte jene harte streitbare Schaar Saren. In einem zweiten Streit verloren abermals jene Thörlinger, aus welchem Namen her nach Thüringer gemacht wurde, und mußten den Sachsen das ganze Gebiet an der See einräumen, ihnen aber wurde vergönnt, das Land, wo jeho Braunschweig und Magdeburg liegt, in Frieden zu bewohnen, und dieser Friede dauerte über hundert Jahre.
Quellen:
- Ludwig Bechstein - Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes, Meiningen und Hildburghausen, 1857, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung
