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Wie Bürgermeister Koswig unsere Bürgerheide erwarb
Finsterwalder Wochenblatt vom 24. 04. 1847 Niederlausitzer Anzeiger: Aus der Geschichte von Finsterwalde
Am Hofe des Churfürsten von Sachsen befand sich damals ein Mann namens Peter Schütz, der als größter Biertrinker im ganzen Lande galt. Diese Nachricht kam auch nach Finsterwalde, wo darüber Vieles besprochen wurde. Eines Abends waren viele Bürger und Einwohner im Gasthof zum goldenen Stern versammelt, um die Angelegenheiten der Stadt zu besprechen, wobei auch das hiesige Bier geprobt werden sollte. Der Bürgermeister Koswig untersuchte dasselbe, ob es auch seine gehörige Güte besäße; denn bemerkt muß werden, daß das Finsterwalder Bier damaliger Zeit eins der besten in der ganzen Gegend war. „Sehr gutes vortreffliches Bier,“ sagte Koswig, „Freunde, wie wäre es, wenn wir von derselben Sorte unserm durchlauchtigsten Churfürsten ein Pröbchen zukommen ließen, und gleichzeitig die ergebene Bitte anbringen, uns mit unsern früher besessenen Gerechtsamen wieder zu begnadigen.“ „Vater Koswig hat Recht!“ sagte Ferdinand Haberland, des Rathes Mitglied, „das wollen wir thun, der Verlust, den die Stadt hat, ist zwar unbedeutend, jedoch man muß auch das Geringste was die Gerechtsamen der Stadt betrifft, zu behalten sich bestreben, und dem Churfürsten würden wir dadurch eine große Freude verursachen, denn, nach der Aeußerung des Junkers Otto von Dieskau, soll ihm unser Bier vor allem am Besten munden. Freunde, wir können stolz darauf sein, Bürger einer so berühmten Stadt zu heißen.“ Es wurde beschlossen, der Bürgermeister Koswig solle dem Churfürsten das Gesuch vortragen und ein Faß Bier verehren. Binnen 3 Tagen fuhren 2 Wagen dem Wege nach Dresden zu.
Am Hofe angekommen, machte Koswig beim Churfürsten seine Aufwartung. Er wurde sehr huldreich aufgenommen und brachte seine Bitte folgendermaßen an: „Churfürstlicher Herr, Euch wird bekannt sein, daß Finsterwalde stets treu gegen seinen Herrn und Lehnsherrn gehandelt; nur durch Niederträchtigkeit Eures churfürstlichen Rathes sind wir um einen Theil unserer Haide gekommen.“ „Ich kenne die Sache,“ erwiderte der Churfürst, „er hatte nicht ganz Unrecht, die habt Ihr Finsterwalder Euch angeeignet, ohne daß Ihr ein Recht dazu hattet. - Apropos! Ihr seid, wie wir gehört haben, der stärkste Biertrinker in Finsterwalde. Ist dem nicht so?“ „Churfürstlicher Herr belieben zu scherzen,“ sagte der Bürgermeister. - „Nicht im Geringsten. Jetzt aber fällt mir ein, mich von Eurer Tüchtigkeit im Biertrinken zu überzeugen. Besteht Ihr meine Aufgabe im Trinken, so will ich Euch, versteht Ihr, Euch und Euren Nachkommen den gedachten Wald und noch mehr dergleichen schenken, besteht Ihr jedoch die Probe nicht, sodann erhaltet Ihr auch nicht das Mindeste. Mein Lakei Schütz soll sich mit Euch im Trinken messen. Er soll zuerst die Probe bestehen, wieviel er vertragen kann.“
Mehreren hohen Herren war diese Mähr zu Ohren gekommen, und sie fanden sich des andern Tages früh 9 Uhr im Dresdener Gasthofe ein, um dem Schauspiele beizuwohnen. Schütz, ein junger rüstiger großer Mann, sah unsern Vater Koswig mit lächelnder Miene an und sprach: „Alter, Alter, wie wird es Euch ergehen!“ Gleichzeitig versetzte der Bürgermeister: „Das laßt meine Sorge sein, darum vorwärts und beweiset was Ihr könnt, ich werde meiner lieben Vaterstadt keine Schande machen.„
Schütz fing an zu trinken, und hatte schon das zweite Fäßchen Bier geleert, als ihm unwohl wurde, und er nicht mehr weiter trinken konnte. Vater Koßwig bestrebte sich, seinen Zweck zu erreichen und trank das Faß mit Wohlbehagen aus. Als er das zweite bis zur Hälfte geleert hatte, sah er wie sich eine Maus in dem Biere bewegte. Er ließ sich jedoch nicht dadurch vom Trinken abschrecken und schlürfte sie bis zum Munde, alsdann setzte er das Faß ab und schmiß die Maus zur Erde, sprechend: „Zum Teufel, wie kommt denn das Hopfenblatt ins Bier, blos eine Nachlässigkeit des Brauers!“ Der Churfürst und sämtliche Versammelten fingen an zu lachen, und sagten: „Das ist noch nicht dagewesen.“ Nur Peter Schütz biß sich vor Wuth in die Lippen, als er sah, daß Koswig das Faß ganz ausgeleert hatte, und fragte, ob nicht noch mehr Bier zu bekommen wäre, er hätte noch besonderen Durst, und da er einmal hier freie Zeche hätte, wollte er sich doch auch ordentlich eine Güte thun. Die Knappen mußten noch ein Faß Bier herbeischaffen, welches er gleichfalls zur Bewunderung aller Anwesenden bis zur Nagelprobe ausleerte.
„Herr Koswig!“ sagte der Churfürst, „auch Ihr habt mir wiederum bewiesen, was ich für tapfere Bürger in meinem Lande besitze, welche alles aufs Spiel setzen, Ihre Ehre und Gerechtsame bis aufs Aeußerste zu verteidigen. Euch soll nach einer halben Stunde die Urkunde über die genannte große Haide bei Finsterwalde ausgehändigt werden, welche auf Kind, und Kindeskinder übergehen soll.“ „Churfürstlicher Herr! diese Vorteile, welche Sie meiner Familie angedeihen wollen, kann ich unter keiner Bedingung annehmen, denn ich bin im Interesse der Stadt von meinen Mitbürgern zu Ew. churfürstlichen Gnaden gesandt worden, also was ich that, war nur Schuldigkeit. Mit größtem Danke werde ich die gedachte Urkunde annehmen, jedoch muß dieselbe zu Gunsten der Stadt ausgefertigt sein.“ „Ihr seid ein braver und tapferer Mann! Wollte Gott, ich hätte lauter solche Leute in meinem Lande, dann wäre Manches anders.“
In einer halben Stunde wurde ihm die Urkunde übergeben, mit der er vergnügt den Rückweg nach Finsterwalde antrat.
Quelle: Sagen aus dem Heimatkreis Finsterwalde 2016. Nr. 12
