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Wallbern - Ein Versteck im Walde
l. Neumayer, Finsterwalde, 1979, und U. Schulze, Großkrausnik, 1982
Im Mittelalter hatten unsere Dörfer durch plündernde und marodierende Soldaten immer sehr schwer zu leiden. Um wenigstens einen Teil ihres Besitzes, wie z. B. Geld, Erzeugnisse der Landwirtschaft wie Getreide und Vieh, ihre Familien und vieles weitere vor den plündernden Horden zu sichern, schufen sich die Bewohner der Dörfer weit außerhalb des Ortes die verschiedensten Verstecke.
So auch in der Gegend von Großkrausnik. Zur damaligen Zeit waren die Wiesen noch sehr sumpfig und nur Eingeweihte kannten versteckte Wege und Stege durch diese Wildnis. Nordwestlich vom Orte Großkrausnik existierte inmitten dieser Sumpflandschaft ein kleiner flacher sandiger Horst, mit Eichen, Buchen, Kiefern, Birken und viel Gestrüpp bestanden. Das war ein sehr gutes Versteck für Kriegszeiten. Die Bewohner von Großkrausnik und Wehnsdorf waren sehr gut befreundet und bauten dieses Versteck gemeinsam so gut aus, daß es noch heutzutage gut erkennbar und erhalten ist. Sie schaufelten um dieses Waldstück herum zwei Gräben aus und lagerten das Erdreich zwischen diesen Gräben ab und schufen sich so einen Wall. Dieser Wall wurde dann mit Gestrüpp bepflanzt, so daß er undurchdringlich wurde.
Solche Sträucher waren u. a. wilde Heckenrosen, Schlehen, Hartriegel, Weißdorn, vereinzelt auch Brombeere, auch heimische Schlingpflanzen wie Wilder Wein und vereinzelt Hopfen wurden dabei genutzt. Nur zwei Wege wurden freigelassen, einer aus Richtung Großkrausnik und einer aus Richtung Wehnsdorf. Und diese beiden Eingänge konnten bei Gefahr ganz schnell mit einigen gefällten Bäumen verschlossen werden. In der Mitte der Wallanlage gab es eine Quelle mit einem ganz kleinen Bächlein, das den Menschen wie auch den Tieren das nötige Trinkwasser lieferte. Im Volksmund prägte sich für dieses Versteck die Bezeichnung „Wallbern„ recht schnell ein.
Quelle: Sagen aus dem Heimatkreis Finsterwalde 2016. Nr. 8
