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Eine Hinrichtung auf dem Sorgeberg
O. Bornschein, Heimatkunde des Kreises Liebenwerda Gericke und Mai, Geschichte der Stadt Finsterwalde und ihrer Sänger
Zwischen der ehemaligen Siedlung Grünhaus1) und dem südlich davon liegenden Ort Grünewalde befand sich vor rund fünf Jahrhunderten ein weiterer kleiner Ort. Er hieß Sorge. Der mündlichen Überlieferung zufolge durch unsere Altvorderen soll dieser Ort Sorge im Mittelalter durch die Pest, nach anderen Überlieferungen durch die Hussiten untergegangen sein. In der Nähe von Sorge, so berichtet der Liebenwerdaer Heimatforscher O. Bornschein, soll ein oder zwei Jahrhunderte später ein weiteres kleines Walddorf, genannt „Neusorge„ oder auch „Die Neue Sorge“, gestanden haben.
Die Neue Sorge, bestehend aus einem Vorwerk und fünf Gehöften, soll damals kirchlich in Bockwitz eingepfarrt gewesen sein, aber amtsrechtlich zur Finsterwalder Herrschaft gehört haben. Eines dieser beiden ursprünglichen kleinen Walddörfer soll in der Nähe der Grünewalder Heidemühle auf einem leichten Höhenzug gestanden haben, der bis in unsere Zeit als Sorge(n)berg bekannt war. Das andere kleine Dorf soll in der Nähe des Finsterwalder Zollhauses und des Dorfes Staupitz gestanden haben.
Das große Waldgebiet war eine Amtswaldung des sächsischen Herrscherhauses, betreut durch die Finsterwalder Schloßherren und später nach dem 30-jährigen Kriege durch einen Amtmann mit Sitz in Finsterwalde. Die Jagd in diesen Wäldern war eine sogenannte hohe Jagd, die nur durch den Adel ausgeübt werden durfte. Bauern, Handwerker und Städter, also das sogenannte gemeine Volk, durfte in diesen Wäldern nicht jagen, was aber den einen oder anderen nicht davon abhielt, zu wildern.
Über einen dieser Wilderer berichtet die Fama folgendes: „Der Besitzer der Heidemühle, ein Grünewalder, hatte sehr oft im Königlichen, wie das Waldgebiet allgemein genannt wurde, gewildert, manchmal allein, manchmal zusammen mit seinem Bruder. Es wurde auch vermutet, daß dieser Besitzer der Heidemühle, also der Heidemüller, auch Reisende und Händler überfallen und beraubt hätte. Die geraubten Güter und Schätze soll er im Walde versteckt haben, so vermutete man damals. Eines Tages soll er einen großen Waldbrand in dieser Heide absichtlich verursacht haben, um die zahlreichen Spuren seiner Räubereien und Wildereien zu vernichten. Kurz danach soll er geschnappt, vor ein königliches Gericht gestellt, verurteilt und bei lebendigem Leibe öffentlich auf dem Sorge(n)berge verbrannt worden sein. So wird dieses Geschehen aus dem Jahre 1731 berichtet.“
Quelle: Sagen aus dem Heimatkreis Finsterwalde 2016. Nr. 4
