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sagen:schnurrenluckau120

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Der Mord im Schlosse in Alt-Golßen

Im Schlosse in Alt-Golßen lebte einmal ein sehr strenger Herr. Der war ein Landstände-Kammer-Rat. Den erschlug sein Kutscher mit einer eisernen Mörserkeule. Der Herr hatte sich diesen Kutscher selbst beim Militär ausgesucht; denn er wollte immer nur Leute haben, die er ordentlich fuchteln konnte. Er behandelte aber auch alle andern Dienstleute sehr schlecht, und so hetzten sie den Kutscher zur Tat auf. Nach dem Morde flüchtete er und ließ sich unter anderem Namen wieder unter die Soldaten anwerben, aber an einem fremden Orte, nicht da, wo er vorher als Soldat gedient hatte. So wußte kein Mensch, wo der Mörder geblieben war. Nun hatte er aber einen hübschen kleinen Hund, und den hatte er mitgenommen. Er hatte ihn immer bei sich, wenn er nicht im Dienst war. Er war nämlich bei den Reitern. Eines Tages stand er in seiner Stadt und guckte zu, wie die Reitpferde beschlagen wurden.

Da sah ein Mann, der aus Alt-Golßen stammte und zufällig in die fremde Stadt gekommen war, den kleinen Hund, den er von zuhause aus kannte. Er dachte, dann ist der Herr nicht weit und rief zwischen die bei der Schmiede stehenden Leute den Namen des Kutschers. Der drehte sich ganz schnell um und hatte sich damit verraten. Er wurde gefangen und auf dem Galgenberge bei Alt-Golßen hingerichtet.

Quelle: Robert Scharnweber & Otto Jungrichter: Sagen, Anekdoten und Schnurren aus dem Kreise Luckau N.-L., Berlin 1933


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