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Der Feuerbann von Neuendorf
Nach Neuendorf kamen einstmals Zigeuner. Die wurden sonst überall sehr verfolgt. In Neuendorf behandelte man sie aber gut. Zum Danke sprach einer von ihnen beim Abschiede über das Dorf den Feuerbann aus. Vorher hatten sie um das Dorf mit einem Pfluge eine Furche gezogen, und bis zu dieser Furche ging die Wirksamkeit des Bannes. Niemand, so sagten sie, darf aber die Bannlinie mit einem Eggenzinken durchschneiden, sonst wird die Zauberkraft aufgehoben. Und die Bauern befolgten den Rat ganz genau und brachten ihre Eggen nur mit dem Wagen oder dem Eggenschlitten auf das Feld. So blieb das Dorf vor Feuer bewahrt bis 1891. Nur 1841 brannte die vor dem Dorfe stehende Windmühle ab. Aber nach 1890 mußte der Bann wohl durchbrochen worden sein; denn in dem Jahre gingen viele Häuser bei einem großen Brande verloren.
Quelle: Robert Scharnweber & Otto Jungrichter: Sagen, Anekdoten und Schnurren aus dem Kreise Luckau N.-L., Berlin 1933
