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Der Taufstein im Sebnitzer Walde
Götzinger, Geschichte des Amtes Hohnstein, 1786, S. 280 ff.
Zwei Jahre lang hatte die hintere Sächsische Schweiz während des 30jährigen Krieges einmal eine so dringend notwendige Erholungszeit gehabt. Da wandte sich die Kriegsfurie von neuem dieser Gegend zu. Am 8. April 1637 überfielen kaiserliche Truppen von der Armee des Grafen Hatzfeld Sebnitz, jagten hier alles von Haus und Hof, plünderten die ganze Stadt aus und verdarben alles in Grund, was sie nicht mitnehmen konnten. Die Kirche ward wieder einmal erbrochen und ihres Ornates und ihrer Kelche beraubt. - Auf diese Weise hausten die Kaiserlichen in dortiger Gegend vom Grünen Donnerstage an bis vier Wochen nach Ostern. Viele Meilen weit war weder Zug- noch Zuchtvieh anzutreffen. Man konnte keinen Gottesdienst halten, sondern mußte, um nur das Leben zu retten, in Wald und Felsen seine Sicherheit suchen, und sich da lange Zeit von Kräutern und Wurzeln nähren.
Von diesen betrübten Tagen schreibt sich der sogenannte Taufstein her, den man im Sebnitzer Walde am Nixdorfer Steige antrifft: Ein großer Stein, in welchem eine Höhlung zum Einsatz des Taufbeckens gehauen ist und auf dem man damals die Kinder taufte.
Anm.: Urkundliche Belege (beispielsweise Eintragungen in den Taufregistern der Sebnizer Kirche) gibt es für diese Überlieferung nicht. Im Taufregister der Kirche ist nur vermerkt, daß am 29. April 1639 wegen der Kriegsgefahr der Schweden in Ottendorfer Räumicht Sabina, die Tochter des Sebnitzer Bürgers Matthes Hencke, getauft wurde.
Quellen:
- Sagenbuch der Sächsischen Schweiz und ihrer Randgebiete; Herausgegeben von Alfred Meiche, Dresden 1929, Verlag von Adolf Urban
