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Der tote Schullehrer
M. II, Nr. 240 nach Dr. Lincke in "Über Berg und Tal", Bd. VI, S. 217.
An der von Rosenthal nach Kleinhennersdorf führenden, die „Winterleithe“ genannte Straße, befindet sich rechts, wenn man von Rosenthal kommt, eine durch eine Eiche gezeichnete Stelle. Als im Jahre 1881, am Vorabende des Herbstbußtages, ein Mann diese Stelle passierte, hörte er singen: „Ein' feste Burg ist unser Gott“, in der Art, wie etwa Schulkinder ein Lied anstimmen. Er ging diesen Klängen nach und sah plötzlich auf der Straße eine Wolke sich erheben. Da konnte er sich nicht eher vom Flecke rühren, als bis er ein „Vaterunser“ gebetet hatte. - An dieser Stelle nun soll ein Schullehrer ein Kind einer Unart halber schlagen wollen, aus Versehen aber den Kopf desselben mit dem Stocke getroffen haben, so daß das Kind sofort tot gewesen sei.
Anm.: Bei dieser Sage ist der Titel „Der tote Schullehrer“ auffällig; es müßte doch eher heißen „Das tote Kind“. Wahrscheinlich aber geht nach dem Glauben des Volkes der Lehrer, der den Tod des Kindes verschuldete, an dieser Stelle um. Daher der Name. (Vgl. auch Nr. 174)
Quellen:
- Sagenbuch der Sächsischen Schweiz und ihrer Randgebiete; Herausgegeben von Alfred Meiche, Dresden 1929, Verlag von Adolf Urban
