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Der Schatz auf dem Lilienstein - 2. Sage

  Dr. Dunger, in „Ueber Berg und Thal". 2. Jhrg. S. 131.

Auf dem Liliensteine liegt ein gewaltiger Schatz, eine ganze Braupfanne voll Dukaten verborgen, der aber nur gehoben werden kann, wenn man eine reine Jungfrau opfert.

Einstmals hatten sich mehrere Schatzgräber zusammengefunden, um diesen Schatz zu heben; auch eine Magd aus Waltersdorf, die sich nicht gerade durch Klugheit auszeichnete, war durch Geld gewonnen worden, sich an der Schatzhebung zu beteiligen. Die Vorbereitungen waren getroffen, allen Beteiligten war zur Pflicht gemacht worden, kein Wort zu sprechen, was auch kommen möge, sonst wäre der Zauber vereitelt. Nachdem die Beschwörung ihren Anfang genommen hat, erscheint ein Tier mit feurigem Rachen, auf dessen Zunge der Schlüssel zum Schatze liegt. Das Mädchen soll den Schlüssel herausnehmen. Da ruft sie, jene Mahnung vergessend, plötzlich aus: „Ach Herrjeses!„ Und im Nu verschwindet die Gespenstererscheinung, die Schatzgräber werden nach allen Richtungen hin auseinander geschleudert; der eine flog nach Ebenheit, der andere nach Königstein, der dritte nach Waltersdorf, wo man sie am anderen Morgen, zwar unbeschädigt, liegen fand. Die Magd kam mit dem Schrecken davon; sie hat noch lange Zeit in Waltersdorf gelebt und mit Grausen von jener Nacht erzählt.

Quelle: Sagenbuch der Sächsischen Schweiz; Herausgegeben von Alfred Meiche, Leipzig 1894, Verlag von Bernhard Franke


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