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Die Spukgeister bei der Sebnitzer Papierfabrik
Mündlich. Zum Teil: Beilage zum Sebnitzer Grenzblatt. Nr. 30. 11. März 1893.
Zwischen den sog. Neuen Scheunen und der Papierfabrik an der Straße von Sebnitz nach Schandau ist es nicht geheuer. Wer in der Mitternachtsstunde dort vorübergeht, dem begegnet ein großer schwarzer Hund mit feurigen Augen, der niemandem etwas zu Leid thut, wenn man ihn nicht neckt, im Gegenteil sich aber hart an die Fersen des Neckenden heftet und ihm wohl gar mit den Pfoten auf die Schultern springt. So erzählt man sich, daß einem Fuhrmann, welcher sich erkühnte mit der Peitsche nach ihm zu schlagen, dieselbe plötzlich mit Gewalt aus der Hand gerissen worden war und er außerdem noch zu thun hatte, die beim Anblick des gespenstigen Tieres zitternden Pferde im Zügel zu halten. Ein anderer Mann, der den gespenstischen Hund die sog. Schulleite hinausstürmen sah, war so gottvergessen, ihm auf einem Erbschlüssel1) zu pfeifen. Sogleich machte das Tier Kehrt und kam hoch durch die Luft auf ihn zu. Dem Manne standen die Haare zu Berge. Sein Begleiter entriß ihm noch rechtzeitig den Schlüssel, pfiff auf der anderen Seite durch denselben und das Tier stürzte machtlos in die nahe Sebnitzbach. Andere wollen einen kopflosen Mann mit einer Sense gesehen haben. Der Sage nach soll in der Gegend der heutigen Papierfabrik oder auf der nördlich gegenüberliegenden Höhe vor alter Zeit ein Kloster gestanden haben und davon noch deren Name „die heilige Leithe„ herrühren. Abt und Mönche sollen in demselben ein gottloses Wesen getrieben haben, und so soll denn eines Nachts dasselbe zur Strafe dafür samt den Missethätern versunken, der Abt selbst aber in einen Hund verwandelt und zu jener allnächtlichen Wanderung verdammt sein.
Quelle: Sagenbuch der Sächsischen Schweiz; Herausgegeben von Alfred Meiche, Leipzig 1894, Verlag von Bernhard Franke
