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Die Nixe der Unstrut - 4. Sage
Von Herrn K. Aue in Weimar. Schriftl. Mittheilung.
Zwei Mädchen gingen einmal an der Unstrut spazieren. Die eine rief nach dem felsigen Ufer zeigend: siehest du dort die schöne Leinwand und die gestickten Tücher? „ Die andere verneinte verwundert und die Gefährtin bezeichnete ihr die Stelle ganz genau, aber umsonst. Da sprach jene: „nun wenn du es siehest, so hole es doch; bücke dich hinab, ich will dich halten.“ So geschah es. Die erste war eben im Begriff, die Leinwand zu fassen und rief: „ich hab's!“ als sie auch sogleich laut schrie, die andere aber erschrocken sie los liess und verschwinden sah. Kaum aber war die Freundin ihren Augen entwichen, so sah sie ein schönes Weib inmitten des Wassers stehn. Nachsuchend fand man keinen Leichnam; die Nixe hatte ihren Raub vollbracht.
Quellen:
- Dr. August Witzschel: Sagen aus Thüringen. Meersburg und Leipzig 1930
