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sagen:sat287

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Das Nonnengespenst zu Gehofen

  Happel relationes curiosae III. p. 533

Eine Frau von Eberstein wollte in ihrem Schlosse Gehofen, welches bei Altstedt liegt, aus einer kleinen Küche und Kammer eine schöne grosse Küche machen lassen. Während nun die alten Mauern abgerissen wurden, liess sich eine schöne Nonne vor ihr sehen mit einem rothen Kreuze auf der Stirn, und dankte der Edelfrau dafür, dass sie die Küche hatte vergrössern lassen, fügte auch hinzu: „viel reiche Leute haben vor euch in diesem Schlosse gewohnt, doch keine hat daran gedacht, diese Stube besser ausbauen zu lassen; dafür sollt ihr auch einen Schatz bekommen, der unaussprechlich gross ist.„ Die Edelfrau entsetzte sich darüber und sprach: „behaltet euren Schatz für euch; ich begehre ihn nicht.“ Da kniff die Nonne sie bunt und blau, dass sie den Schatz nehme, ging ihr vier ganze Wochen lang nach, fuhr mit ihr in die Kirche und wieder heraus, sprach ihr selbst dann ins Ohr, wenn sie neben Jemand sass. Niemand aber sah die Nonne, ausgenommen die Edelfrau, eine Dienstmagd und ein Knecht. Immer lag der Spuk ihr an, was sie mit dem Schatze thun solle, nämlich zwei Rosenkränze würden darauf liegen und diese sollte sie in ein katholisches Kloster senden; die Kirche zu Gehofen, worin sie, die Nonne nämlich, begraben liege, müsse neu davon aufgebaut werden. Sie nannte der Edelfrau auch die Stelle, wo das Grab sich befinde; darauf müsse ein grosser Grabstein gelegt, darüber ihr Bildniss aufgehangen und diese Verslein, welche sie aussprach, auf dem Steine ausgehauen werden.

Die Frau von Eberstein schickte einen Boten nach der Kirche, um alles zu untersuchen, und alles fand sich ganz so, wie es die Nonne gesagt hatte. Lange Zeit quälte sie die Edelfrau noch, damit sie zu dem Schatze ginge; sprach, sie könne mitnehmen wen sie wolle, viele oder wenige Leute, auch ihren Prediger, müsse aber am Tage gehen und zwei Schürzen vorthun. Sobald sie zur Stelle gekommen, sollte sie eine Schürze abnehmen und auf den Schatz werfen. Zwar würde ein schwarzer Hund auf demselben liegen, doch thue der ihr nichts zu Leide, denn sie werde neben ihr stehen und sie in die Arme nehmen. Sonder Zweifel hätte die Edelfrau endlich sich dem Willen der Nonne gefügt, nur um sie los zu sein, doch meinte sie zuvor ihren Prediger darüber sprechen zu müssen. Der fand das aber nicht für gut und mahnte sie zum Gebete an. Eines Tages nun betete sie sehr fleissig. Da trat die Nonne zu ihr und sprach: „betet nur zu, ich bete auch gern und bin gern wo man betet, denn ich bin kein Teufel; dafür haltet mich nicht. Eben weil ihr so fleissig betet, ist euch der Schatz beschert und den bekommt ihr auch, selbst gegen euren Willen.“

Dies ewige Quälen schwächte die Edelfrau dergestalt, dass ihr Mann einen berühmten Arzt holte, um ihn über ihren Zustand zu Rathe zu ziehen. Just als er ankam, sprach sie mit der Nonne, die neben ihrem Bette auf einem Stuhle saß, doch nur ihr sichtbar war. Als der Arzt auf denselben Stuhl zuging, stand sie auf und trat vor's Bett. Der Arzt konnte natürlich wenig bei der Sache helfen und wandte sich an die theologische Facultät der Universität von Jena, welche den Ausspruch that, dass es ein Teufelsgespenst sei, wie solches sich auch erwiesen hat. Denn es ist mit der Frau von Eberstein sehr übel verfahren, hat derselben einen Arm, nachher auch ein Bein zerschlagen, ja ihr zulest den Arm umgedrehet. Ebenso hat es der Magd, welche ihrer Herrin zu Hilfe kam, einen Arm gebrochen.

Quellen:


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