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Lass die Todten ruhen
Mone's Anzeiger VIII, 60
Einem Schulmeister aus Predel, der seinen Sohn auf der Klosterschule in Eisleben besuchte, wurde von diesem die dazu gehörige Kirche gewiesen. Sie kamen an ein steinernes Nonnenbild, welches, wie alle solche Bilder, anzeigte, dass daselbst eine Klosterfrau eingemauert worden ist. „ Schade um dich, dass sie dich eingemauert haben!“ sagte der Schulmeister, indem er das Bild in die Wange kneipte, und als sein Sohn ihn ermahnte, die Todten in Ruhe zu lassen, machte er es nochmals so. In der folgenden Nacht um eilf, wo er bei seinem Sohne lag und beide noch wachten, kam die Nonne zur Thür herein, trat zum Bette, schaute hinein und ging, nachdem sie den Sohn vorn liegen gesehen, unten herum an die hintere Seite. Dort kneipte sie mit ihrer eiskalten Hand den Vater zweimal in den Backen und verliess dann wieder die Stube. Nachher hat der Schulmeister nie mehr sich unterfangen, mit den Todten Scherz zu treiben.
Quellen:
- Dr. August Witzschel: Sagen aus Thüringen. Meersburg und Leipzig 1930
