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sagen:sat227

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Die Teufelskanzel bei Ranis

  Thuringia. 1841. S. 89-92.

Unter dem Städtchen Nanis dem Schlosse Brandenstein gegenüber ragt hoch und steil ein Fels empor, die Teufelskanzel genannt. An diesen Riesenfelsen schliesst sich in einem grossen Wiesengrunde ein halber Kranz kleinerer Felsen, grünbewachsen, von Süden nach Westen streifend. Liebliche Thäler mit labenden Bächen biegen dieser Stätte von allen Seiten zu, und geheimnissvoll thun sich Grotten und Höhlen auf am Fusse wie in der Höhe des wunderschönen Berggebildes.

Ein heidnischer Cultusplatz soll diese Stätte in vorchristlicher Zeit gewesen sein und Leute, welche im Dunkel der Nacht durch das Teufelsthal gegangen sind, wollen allerlei Erscheinungen gesehen haben. So geht die Sage, dass um Mitternacht eine schwarze Katze dem vorübereilenden Wanderer sich zugesellt, ihn bis auf die Höhe zum ersten Opferherd am Sämtissbache begleitet, sich dann in einen schwarzen Hund verwandelt, der bis an die Herthawiesen mitgeht, wo er zur weissen Kuh wird und im Schöneberg verschwindet. Langsam und gemessenen Schrittes kommt dagegen aus den unterirdischen Gemächern der Teufelskanzel eine weisse Jungfrau hervor; statt des Kopfes hat sie zwei goldene Hörner und in der Hand ein Schlüsselbund. Sie durchzieht die grünen Wiesen am Sämtissbache, nähert sich dem Teufelsthal, weilt dahin gerichtet einige Minuten, kehrt dann wieder zurück, umkreisst die Teufelskanzel und verschwindet zuletzt in dem Haine am Brandensteine.

Quellen:


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