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sagen:sat225

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Vom Henneberge bei Heberndorf

  Sigismund Landeskunde des Fürstenth. Schwarzburg-Rudolstadt I, 48.

Ein Mann aus Heberndorf war am Tage vor Neujahr in Weitisberge und als es anfing dunkel zu werden, wollte er wieder heim gehen. Weil aber ein so grausames Schneegestöber war, dass er die Hand vor den Augen nicht sehen konnte, hat er sich bald verlaufen, ist mitten in ein Dickicht gerathen und über ein Paar Stunden darin herum gelaufen. Weil ihn nun die Angst überkam, dass er darin umkommen müsste, ist er den Berg hinauf gelaufen, um droben vielleicht ein Licht zu sehen, auf das er zugehen könnte. Als er oben war, hört er es zwölfe schlagen. Dawird es mit einem Male rings umher hell und er steht vor dem grossen Stein, der glänzt wie lauter Silber und Gold, und auf der andern Seite kommen Ritter in die Höhe gestiegen mit grossen Schwertern und andere tragen Schüsseln, darin lauter gutes Essen ist. Da hat sich der Mann nieder geduckt und konnte sich nicht satt genug sehen, weil er aber so scharf hingesehen hat, musste er plötzlich nießen, dass es nur so geprasselt hat. Darüber sind alle Ritter in die Höhe gefahren, zwei nahmen ihn sogleich beim Kragen und brachten ihn zu den andern; man fragte ihn aus und sagte ihm zuletzt, er solle nach Hause gehen, aber keinem Menschen sagen, was er gesehen habe, sonst müsse er übers Jahr sterben. Darauf hat ihn einer auf den rechten Weg gebracht. Aber seit jener Zeit ist der Mann wie krank gewesen und weil ihm seine Frau mit Fragen keine Ruh gelassen hat, hat er ihr zuletzt alles gesagt. Seitdem aber konnte er nichts mehr essen und in der Neujahrsnacht ist er gestorben.

Quellen:


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